"Gemeinsames Endlager könnte günstiger als nationales sein"

Den Müll stattdessen an möglichen Diskussionen vorbei ins Ausland zu schleusen, sei jedenfalls der falsche Weg, so Uhrig weiter. Österreich sucht allerdings zusammen mit anderen Staaten wie Dänemark, Italien und Slowenien nach einer gemeinsamen Endlagerung. Und auch im Entwurf des Ministeriums heißt es, dass "aus ökonomischen Gesichtspunkten eine Zusammenarbeit auf europäischer oder internationaler Ebene in Erwägung gezogen werden" kann. Für Uhrig stellt sich hier die Frage der Haftung: "Wer zahlt, wenn sich das zunächst als geeignet angesehene Lager doch als nicht sicher herausstellt?"

"Eine anteilige Beteiligung an einem gemeinsamen Endlager könnte sinnvoller und auch günstiger sein als ein nationales Lager", sagt dazu Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, auf Nachfrage der "Wiener Zeitung". Für genaue Kostenangaben sei es jedoch zu früh. Bezüglich Transparenz und Bürgerbeteiligung heißt es aus dem Ministerium: Die Öffentlichkeit könne gemäß den gesetzlichen Vorgaben eine Stellungnahme zu der Strategischen Umweltprüfung abgeben (bis 25. Mai), die weiteren Schritte würden auf dieser Basis erarbeitet. Eine breite Information und Einbindung der Öffentlichkeit seien vorgesehen.

Auch Walter Rauch, Umweltsprecher der FPÖ, kann die Kritik von Global 2000 "nicht nachvollziehen". Rauch ist überzeugt, dass sich viele Bürger beteiligen werden. Zudem werde die Regierung eine Arbeitsgruppe "Entsorgung" einrichten.

Für SPÖ-Umweltsprecher Klaus Feichtinger sind Transparenz und die Einbindung aller Beteiligten unumgänglich. Der Entsorgungsplan müsse flexibel genug sein, dass bei einer Nicht-Verfügbarkeit internationaler Endlager genügend Zeit für die Vorarbeiten zu einer nationalen Variante verbleibt, sagt er.

Doch zurück zu den finanziellen Aspekten: Um ein Kilogramm radioaktiven Müll endlagerfertig zu machen, wobei etwa das Volumen minimiert wird, kostet zwar bis zu 1000 Euro, die Gemeinde Seibersdorf erhält für die Lagerung aber auch eine Entschädigung. Diese soll bei 372.000 Euro pro Jahr liegen, hört man. Der Geschäftsführer des "Nuclear Engineering Seibersdorf", Roman Beyerknecht, kann diese Summe zwar nicht bestätigen, Bürgermeister Franz Ehrenhofer dementiert sie auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" aber auch nicht.

Das Geld für den radioaktiven Müll wäre für eine Gemeinde wohl attraktiv – der Müll selbst ist es aber nicht. Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Müll existieren bereits in mehreren Ländern wie Frankreich, Großbritannien und in den USA. Für hochradioaktiven Müll gibt es weltweit noch kein einziges Endlager. In Tschechien ist dafür Kraví Hora nahe Brünn im Gespräch – nur 50 Kilometer von Österreichs Grenze entfernt.