• vom 07.03.2016, 17:40 Uhr

AKW weltweit

Update: 08.03.2016, 11:59 Uhr

Tschernobyl

Tschernobyls Schatten




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  • 40.000 Krebstote werden langfristig auf den Atomunfall vor 30 Jahren zurückzuführen sein.



Wien. (apa/dpa/afp) Auch 30 Jahre nach dem schweren Atomunfall in Tschernobyl - in der heutigen Ukraine - sind die Auswirkungen noch immer nicht ausgestanden. Laut einer Studie des britischen Radiologen Ian Fairlie werden alleine in Westeuropa langfristig insgesamt 40.000 Krebstote direkt auf die Katastrophe zurückzuführen sein. In Österreich rechnet man mit 1000 bis 2000 Fällen. Registriert wurden laut der Studie auch eine erhöhte Fehlbildungsrate bei Neugeborenen, vermehrt psychische Störungen und Diabetes.

"30 Jahre nach Tschernobyl denken wir, dass wir uns keine Sorgen mehr darüber machen müssen, aber das müssen wir", sagte Fairlie bei der Präsentation seines "Torch 2016"-Reports am Montag im Wiener Rathaus. Die langfristigen Auswirkungen sind immer noch dramatisch: Besonders die Fälle von Schilddrüsenkrebs dürften in Westeuropa steigen. Aber es droht auch ein erhöhtes Auftreten von Leukämie, Herzkreislauferkrankungen und Brustkrebs.

"Nach Weißrussland war Österreich mit 13 Prozent seiner Gesamtfläche weltweit am zweitstärksten von der hohen Cäsium-Belastung vom Tschernobyl-Fallout betroffen, auch radioaktives Jod traf Österreich stark", sagte Reinhard Uhrig, Atomsprecher der Umweltschutzorganisation Global 2000. Insbesondere die Osterregion - inklusive Wien - wurde von der radioaktiven Wolke getroffen. "Acht bis 40 Prozent der erhöhten Schilddrüsenkrebsfälle in Österreich nach 1990 sind wahrscheinlich von Tschernobyl verursacht", unterstrich Uhrig.

Stadt Wien
lobbyiert

"Es ist jetzt an der Zeit, die verharmlosende Darstellung des Reaktorunglücks von Tschernobyl durch die IAEO (Internatioanle Atomenergie-Organisation) zu überarbeiten, die immer noch von nur 52 direkten Todesfällen und in Summe weltweit 4000 Toten ausgeht", forderte Uhrig. Global 2000 startete daher eine Petition an die österreichische Bundesregierung, Reform-Schritte innerhalb der IAEO zu setzen.

Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) unterstützt das Anliegen von Global 2000. "Die dramatischen Ergebnisse zeigen einmal mehr, wie todbringend die Atomkraft ist. Solch traurige Jahrestage wie 30 Jahre Tschernobyl oder fünf Jahre Fukushima sollen die Öffentlichkeit wieder ein wenig wachrütteln", sagte Sima. Die Stadt Wien lobbyiere auf allen Ebenen für einen internationalen Atom-Ausstieg.

Sima hat 2011 ein europäisches Städtenetzwerk gegründet, das rund 30 europäische Partnerstädte umfasst, darunter etwa Dublin, München, Zagreb, Nicosia, Mailand und Korfu. Einmal mehr wurde betont, dass die Stadt Wien auf erneuerbare Energieträger setze, der städtische Energieversorger Wien Energie hat auch keinen Atomstrom im Netz.

In Westeuropa sorgt unterdessen das französische Atomkraftwerk Fessenheim weiterhin für Aufregung. Die Schließung des AKWs am Oberrhein wird von Umweltschützern in Deutschland, Frankreich und der Schweiz schon seit Jahren gefordert. Sie verweisen auf die zahlreichen Störfälle der beiden Reaktoren, die Ende der 70er Jahre in Betrieb genommen wurden und damit die ältesten in Frankreich sind.

Umstrittenes Atomkraftwerk
in Frankreich

Nach neuer Kritik aus Deutschland hat die französische Ministerin Emmanuelle Cosse (Grüne) bekräftigt, dass das Atomkraftwerk noch heuer geschlossen werde. Damit widersprach sie am Sonntag allerdings früheren Aussagen von Staatspräsident François Hollande und Umweltministerin Segolene Royal (beide Sozialistische Partei).

Hollande hatte zuletzt verkündet, dass das Kraftwerk nahe der deutschen Grenze nicht wie ursprünglich zugesagt 2016 vom Netz gehen werde. Er begründete dies mit Verzögerungen beim Bau eines Reaktors der neuen Generation, der erst 2018 in Betrieb gehen soll. Ähnlich hatte sich auch Umweltministerin Royal geäußert, die aber betonte, das Verfahren zur Schließung werde noch heuer beginnen.

"Der Kalender ist der, den mir der Präsident der Republik mehrmals wiederholt hat, also Ende 2016", sagte die für Wohnen zuständige Ministerin Cosse in einem Interview mit den Sendern RTL und LCI sowie der Zeitung "Le Figaro". "Das ist das Datum."

Nach einem deutschen Medienbericht über Details eines Störfalls in Fessenheim im Jahr 2014 hatte die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Freitag erneut aus Sicherheitsbedenken die Stilllegung gefordert.

Fukushima, 11. März 2011. Durch ein Erdbeben und den folgenden Tsunami ereigneten sich mehrere Explosionen bei denen radioaktives Material freigesetzt wurde.

Tokaimura (Japan), 30. September 1999. Um Zeit zu sparen, geben Angestellte zu viel Uran in einen Fülltank. Daraufhin ereignet sich ein schwerer Atom-Unfall bei dem mehr als 600 Menschen verstrahlt werden. Rund 320.000 Menschen werden aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht. Zwei verantwortliche Mitarbeiter sterben Monate nach dem Unglück.

Tschernobyl, 26. April 1986. Nach einer Explosion wurde eine riesige radioaktive Wolke freigesetzt. Der Unfall wird erst öffentlich, als in Nordeuropa erhöhte Radioaktivität gemessen wird. Nach halbamtlichen Angaben sterben mehr als 25.000 Menschen, hunderttausende Menschen werden nach Schätzungen verstrahlt.

Erwin (USA), August 1979. Aus einer geheimen Atomanlage nahe Erwin im US-Bundesstaat Tennessee tritt Uran aus. Etwa tausend Menschen werden verstrahlt.

ATOMUNFÄLLE





Schlagwörter

Tschernobyl, Atomkraft, Ulli Sima

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-03-07 17:44:04
Letzte Änderung am 2016-03-08 11:59:15


Fukushima






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