• vom 26.04.2018, 17:52 Uhr

AKW weltweit

Update: 26.04.2018, 19:34 Uhr

radioaktiver Müll

Mistplatz für die Ewigkeit




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Röntgenquellen und Schutzgewand als Abfall



Die gute Nachricht ist, dass es sich dabei lediglich um schwach- bis mittelradioaktiven Müll aus Medizin (großteils Röntgenquellen und Schutzgewand), Forschung und Industrie handelt, weil in Österreich ja keine Atomkraftwerke (AKW) in Betrieb sind. Somit fallen hier weder hoch radioaktiver Abfall noch abgebrannte Brennelemente an.

Der Unterschied zwischen hoch-, mittel- und schwachradioaktivem Müll ist gewaltig. Dazwischen liegen Jahrtausende: Während hochradioaktiver Müll 240.000 Jahre lang mit Wasser und Lebewesen nicht in Kontakt kommen darf, ist der schwach- und mittelradioaktive nach 500 Jahren nicht mehr gefährlicher als normaler Phosphatdünger. Nach rund 30.000 Jahren hat er die gleiche strahlungsbedingte Giftigkeit wie Granitgestein.

Granit ist auch jenes Gestein, nach dem man bei der Endlagersuche Ausschau hält. Granit ist hart und ein schlechter Wärmeleiter –  für eine stabile, Jahrtausende lange Lagerung von Fässern ideal. Eine Entscheidung über den Ort und die genaue Art der Endlagerstätten sei aber noch nicht gefallen, heißt es in dem Entwurf.

Ohne Bürgerbeteiligung wird das vermutlich auch nicht gehen. Der Frage nach geologisch geeigneten Regionen in Österreich war man schon zu Zeiten des geplanten AKW Zwentendorf in den 70ern nachgegangen, das nach massiven Protesten und einer Volksabstimmung bekanntlich nie in Betrieb ging. Das Atomsperrgesetz 1978 war die Folge: Seitdem dürfen hier keine AKW mehr ohne Volksabstimmung gebaut werden. Gefeit vor radioaktiver Strahlung sind wir dennoch nicht: Am 26. April 1986, vor 32 Jahren, explodierte ein Block des AKW Tschernobyl in der Ukraine. Noch heute finden sich auch in Österreich radioaktive Spuren, die Gefahr scheint seitdem greifbarer.

1991 begab man sich ein zweites Mal auf intensive Suche nach einem heimischen Endlager, damals bereits für den radioaktiven Abfall aus Medizin, Forschung und Industrie. 16 Standorte kamen in die nähere Auswahl, bei denen es laut Positionspapier des Ökologieinstituts von 2010 "geologisch sinnvoll erschien, weiterzuarbeiten". Es waren die selben Standorte, die als Tiefenlager für die Brennstäbe des AKW Zwentendorf ausgewählt worden waren, darunter Alberschwende in Vorarlberg, der Tauerntunnel in Salzburg sowie Perweis in Niederösterreich (siehe Grafik).

Die geologischen Bedingungen sind hier freilich damals wie heute geeignet – der Widerstand der ansässigen Bevölkerung könnte aber ebenfalls ähnlich sein. 1991 war er gewaltig. Die Gründe, die man damals gegen ein Endlager in der Region anführte, reichten von einem möglichen Ausbleiben des Fremdenverkehrs bis hin zu Umweltschutzgründen. Die Diskussion um die Standortsuche versiegte.

Genau deshalb müsse der aktuelle, neuerliche Versuch gleich ganz anders aufgebaut sein, sagt Reinhard Uhrig, Atom-Sprecher der Umweltschutzorganisation Global 2000. Bei den früheren Standort-Suchprojekten habe man die Bürger immer erst spät, zu spät, über die Pläne informiert. "Es braucht die höchstmögliche, transparente Einbindung der Bevölkerung von Beginn an", sagt er. Nur die Bewusstseinsbildung über die Risiken und sichere Lagerung des Mülls könne zu einer Lösung führen.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-26 17:57:29
Letzte Änderung am 2018-04-26 19:34:50


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