Nach der kürzlich vorgelegten Auswertung von Befragungen von rund 10.500 Menschen waren laut der Zeitung "Asahi Shimbun" - abgesehen von rund 720 Atomarbeitern, für die andere Bedingungen gelten - 95 Prozent der restlichen Bürger über vier Monate hinweg einer Strahlenbelastung von unter 5 Millisievert ausgesetzt gewesen. Zudem wollen Yamashita und seine Kollegen die Schilddrüsen sämtlicher Kinder unter 18 Jahren in Fukushima mit Ultraschallgeräten untersuchen, insgesamt 360.000 Kinder.

Ganzkörperzähler und Urinproben
Bis Ende Jänner wurden japanischen Medien zufolge zunächst rund 3.800 dieser Kinder untersucht, hauptsächlich aus Regionen mit hohen Strahlenwerten. Da es mindestens vier Jahre nach der Strahlenbelastung dauere, bis sich Schilddrüsenkrebs bilde, diene die Untersuchung zunächst nur dazu, den momentanen Stand festzustellen.

   Daneben laufen auch Untersuchungen der inneren Strahlenbelastung mit Hilfe von Ganzkörperzählern (Whole Body Counter, WBC) und Urinproben. Dabei sind zuerst die Bewohner der Evakuierungszonen sowie anderer Orten mit hohen Strahlenwerten an der Reihe. Die Präfektur Fukushima verfügt laut japanischen Medien jedoch bisher nur über zwei solcher WBC und organisiert daher Busse für die Bewohner von Evakuierungszonen, damit sie in die nahe Provinz Ibaraki fahren können, wo es weitere solcher Messgeräte gebe. Damit könnten Spuren von radioaktivem Cäsium 134 und 137 festgestellt werden, allerdings kein Strontium, das Experten auch als "Knochenkiller" bezeichnen.

Misstrauen und Verunsicherung
Bei den bis Anfang Februar untersuchten 20.000 Menschen sei jedoch keine innere Strahlenbelastung festgestellt worden, bei der ein "unmittelbares Gesundheitsrisiko" bestehe, hieß es. Dennoch sind viele Menschen verunsichert und misstrauen Vertretern der Regierung wie dem damaligen Sprecher Yukio Edano, der nach dem Atomunfall in Fukushima behauptete, niedrige Strahlendosen hätten keinen unmittelbaren Einfluss auf die Gesundheit. "Ich hatte absolut keine Ahnung, was der damit meinte", klagt Mariko. Die Japanerin lebt wie ihre Freundin Akiko rund 220 Kilometer von der Atomruine entfernt.

   Sie achtet seit Beginn der Katastrophe äußerst akribisch darauf, dass ihre zehnjährige Tochter sichere Lebensmittel zu essen bekommt. Dennoch ließ sie vorsichtshalber im Juli vergangenen Jahres Urin ihrer Tochter untersuchen, auf eigene Kosten - und war geschockt, als das Ergebnis Spuren von Cäsium aufzeigte. Zwar liegt die Dosis weit unter den Grenzwerten der Regierung. Dennoch haben Mariko und ihre Freundin Angst. "Ich glaube nicht, was die Regierung und Medien sagen", erzählt die Mutter. Sie hat sich jetzt mit anderen zu einer Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen.

     Wenn schon sie, die weiter vom AKW entfernt leben, Angst haben, kann man nur erahnen, wie sich Japaner fühlen müssen, die viel näher an der Atomruine leben. Daher will die Regierung auch die seelischen Folgen der Katastrophe untersuchen. Aus Tschernobyl weiß man, dass die psychischen Schäden enorm sind.