Wien. Mehr als zweieinhalb Jahre sind seit der Atomkatastrophe im Kernkraftwerk Fukushima vergangen. Und noch immer haben die Japaner das Problem nicht im Griff. Die Betreiberfirma Tepco steht in heftiger Kritik. Mittlerweile tritt aus dem havarierten Atomkraftwerk radioaktives Wasser ins Meer. Für viele von uns mag das alles ganz weit weg sein, doch wie geht die japanische Community in Österreich mit diesem Thema um?

Gelassene Japaner

Werner Wiessböck von der Österreich-Japanischen Gesellschaft hält die Japaner für gelassener als die Österreicher: "Fukushima ist immer noch ein großes Thema in Europa, nicht aber in Japan selbst." Die Skepsis der Europäer, was Lebensmittel aus Japan betrifft, kann er deshalb nicht nachvollziehen: "In der EU wird das so gesehen, als sei das dort alles verstrahlt. Im Bereich um das Kraftwerk selbst wird aber nichts angebaut. Da gibt es eine Schutzzone, wo niemand wohnt und auch nichts angebaut wird. Es hat auch bis jetzt noch keinen Strahlentoten gegeben." Die Konsumenten seien laut Wiessböck durch die Medien derart verunsichert, dass sie nichts mehr aus Japan kaufen würden. Fisch direkt aus Japan zu importieren, sei für die Gastronomen aber ohnehin zu teuer: "Der kommt meistens aus der Türkei, Frankreich oder Spanien." Wirklich traditionelle, japanische Restaurants gäbe es in Wien auch nicht viele: "Der Japaner um die Ecke ist meist Chinese oder Koreaner", sagt Wiessböck. Speziell in der Gastronomie könne man laut Wiessböck auch leichter auf alternative Produkte aus Europa ausweichen. "Frustriert ist weniger die Gastronomie als vielmehr die Geschäfte, die Rohstoffe und Lebensmittel wie in japanischen Supermärkten anbieten."

Zu den betroffenen Unternehmern gehört auch Ayumi Kondo, Betreiberin des "Nippon-Ya", ein Asia-Shop in der Faulmanngasse in Wien. Sie importiere nicht mehr direkt aus Japan, sondern über japanische Großhändler innerhalb der EU. "Die behördlichen Wege sind sehr mühsam", klagt Kondo. Sie müsse sich außerdem an die Produkte halten, die bei den Großhändlern gerade verfügbar sind: "Ich versuche durch Großhändler genauso viel zu kaufen wie früher, nur die Palette wird mir vorgegeben, je nachdem, was sie importieren können", erklärt sie. Angesprochen auf europäische Alternativen sagt sie: "Man bekommt viele Sachen nicht mehr, sodass man auf andere Produkte ausweichen muss. Wir versuchen, rein japanische Sojasoße zu verkaufen. Das ist auch der Grund, wieso die Kunden zu uns kommen." Die Einfuhr bestimmter Produkte sei für die Händler erschwert worden: "Es ist wahnsinnig kompliziert und das Schlimmste ist, dass das Ablaufdatum unterwegs fast zur Gänze getilgt wird", sagt, Kundo.