Bei der Kühlung wird das eingepumpte Wasser radioaktiv verseucht. Da die Reaktorgebäude zudem Risse haben, dringen jeden Tag zusätzlich 400 Tonnen an Grundwasser in die Gebäude. Ein Teil sickert ständig in den Pazifischen Ozean. Tepco will das Wasser in einem geschlossenen Kreislauf weiterverwenden und in Tanks zwischenlagern - mittlerweile mehr als 400 Millionen Liter. Doch die Anlage zur Entfernung von Strahlen bereitet ständig Probleme. Um Geld zu sparen, stellte Tepco zudem Tanks auf, die einfach zusammengenietet wurden - mit der Folge, dass immer wieder Lecks auftreten. Um den Zufluss von Grundwasser zu stoppen, soll nun ein gigantischer unterirdischer Wall aus gefrorener Erde gebaut werden. Ob das Erfolg haben wird, ist jedoch ungewiss.

Lage "unter Kontrolle"
Doch trotz all der andauernden Probleme und Pfuschereien von Tepco erklärte Ministerpräsident Shinzo Abe kürzlich bei der Bewerbung Tokios um die Olympischen Spiele 2020, die Lage sei "unter Kontrolle". Die Herren vom Internationalen Olympischen Komitee konnte er damit überzeugen. Harada glaubt jedoch nicht daran. Auch nicht, wenn regierungsnahe Experten ihm versichern, die Niedrigstrahlung sei für Menschen ungefährlich. So etwas behaupte die Regierung und die weiterhin mächtige Atomlobby nur deswegen, weil sie die nach Fukushima abgeschalteten Reaktoren im Lande wieder hochfahren wollten. Zudem wolle der Staat Entschädigungsgelder einsparen. "Daher wollen sie so schnell wie möglich den Unfall für beendet erklären".

Millionen von Kubikmeter Erde lässt der Staat abtragen. Überall in der Region stapeln sich schwarze Säcke mit verstrahltem Abraum. Viele bezweifeln den Sinn dieses gigantischen Aufwands, da von den Bergen bei Regen neue Strahlen nachrutschten. Einigen Bewohnern Namies wurde jedoch Hoffnung gemacht, noch im März heimkehren zu dürfen. Da aber die Dekontaminierung auch aus Mangel an Arbeitskräften nicht wie geplant vorankommt, wurden sie auf weitere drei Jahre vertröstet. Und so bleiben die Menschen verstreut auf andere Regionen. "Der Verlust unserer sozialen Bindungen ist das Schlimmste", sagt Harada. Er ist mit Frau und Mutter in einer Behelfswohnung im 50 Kilometer entfernen Nihonmatsu untergekommen. Mit einer Hilfsorganisation kämpft er dafür, Namies Bürger wieder zusammenzuholen, aber an einem sicheren Ort.

Weitere drei Jahre
"Wir sollten nicht mehr zurückblicken", sagt Harada. Andere, vor allem Alte, deren Familien schon seit Jahrhunderten hier leben, wollen ihre Heimat jedoch nicht aufgeben. "Diese Ungewissheit ist furchtbar", sagt Schulleiter Hiromichi Endo. Da seine Schule in Minamisoma in der Evakuierungszone um das Atomkraftwerk Fukushima liegt, ist er mit seinen 94 Schülern auch nach drei Jahren noch immer in einem provisorischen Behelfsgebäude untergebracht. Auch ihnen war Hoffnung auf eine baldige Rückkehr gemacht worden, nun müssen auch sie sich weitere drei Jahre gedulden. Auch die 15 Jahre alte Sayaka Ohara geht hier zur Schule. Ihr Wohnhaus überstand zwar den Tsunami, wegen der Strahlen aber lebt ihre fünfköpfige Familie weiterhin auf der Flucht. "Es ist alles so eingeengt", erzählt das schüchterne Mädchen mit leiser Stimme und hat dabei Tränen in den Augen. Aber sie will sich nicht beklagen. Mit ihren Klassenkameradinnen übt sie an diesem Tag ein Chorlied, dass von Freundschaft und Zusammenhalt handelt.