• vom 10.03.2016, 18:02 Uhr

Fukushima & Atomenergie

Update: 11.03.2016, 15:12 Uhr

Japan

"Das ist Tsunami-Gebiet"




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Von WZ-Korrespondentin Sonja Blaschke

  • Nach der Flutwelle 2011 beschlossen viele Gemeinden in Ostjapan, noch höhere Schutzmauern hochzuziehen als zuvor. Dabei hielten die meisten damals den Wasserwänden nicht stand.

Tokio. Nach dem heftigen Erdbeben hatte Hiroko Otsukas Mutter ihre beiden Enkel, vier und sieben Jahre alt, von der Schule abgeholt und nach Hause gebracht. Die Bucht von Kesennuma war erfüllt vom Geheul der Sirenen und vom Schneetreiben an einem kalten Wintertag im März vor fünf Jahren. Lautsprecherdurchsagen warnten die Bewohner, sich wegen eines herannahenden Tsunamis auf höher gelegenes Gebiet zu flüchten. In ihrem Haus, hinter einer fünf Meter hohen Tsunamischutzmauer, wähnte die 70-Jährige sich und die Enkelkinder sicher. Schließlich hatte sie als Mädchen schon einmal einen starken Tsunami überlebt, der 1960 nach einem Beben in Chile die Ostküste Japans heimgesucht hatte. Damals war der Tsunami zwei Meter hoch.

Hiroko Otsuka glaubt, dass ihre Angehörigen eine Chance gehabt hätten, zu überleben, wenn sie auf einen Hügel hinter dem Haus geflohen wären. Doch das taten sie nicht, weil sie auf die Mauer vertrauten. Tsunamis von 15 Metern und mehr, die eine halbe Stunde nach dem Seebeben am 11. März 2011 über die Ostküste Japans hereinbrachen, überspülten die Mauern mit Leichtigkeit, vielerorts blieben davon nur Trümmer zurück. Ihre Familie hatte keine Chance. Unter den rund 18.500 Menschen, die am 11. März 2011 starben - weit über 90 Prozent durch den Tsunami - waren über 1000 Kinder. Mehr als die Hälfte von diesen war noch nicht einmal zehn Jahre alt, wie Otsukas Nichte und Neffe.


Noch heute kann sie nicht davon erzählen, ohne dass ihr die Tränen kommen. "Es war für mich so schlimm, als wären meine eigenen Kinder gestorben, so nahe standen wir uns", sagt Otsuka, die in einer kleinen Gemeinde der Stadt Kesennuma an der japanischen Ostpazifikküste aufwuchs. "Wenn ich jetzt in die Details gehe, muss ich weinen", sagt sie und ringt um Fassung.

Als die Katastrophe über ihre Heimat hereinbrach, war Otsuka weit entfernt. Ein Zufall hatte sie vor 25 Jahren über 8000 Kilometer weit weg nach Tasmanien in Australien geführt, wo sie eigentlich nur eine Freundin besuchen wollte. Die abenteuerlustige Frau war so begeistert, dass sie blieb. Sie heiratete einen Australier und bekam zwei Söhne. Später holte sie einen Universitätsabschluss nach und unterrichtete selbst viele Jahre. Aber seit der Katastrophe widmet sie sich mit aller Kraft dem Wiederaufbau ihrer Heimat.

"Ich wollte erst einmal vor allem meinem Bruder und seiner Frau helfen", sagt Otsuka, die erst einmal den Verlust ihrer Kinder verkraften mussten. Die beiden waren damals an ihren Arbeitsplätzen auf höher gelegenem Gebiet und überlebten.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-03-10 18:05:03
Letzte Änderung am 2016-03-11 15:12:24


Fukushima






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