• vom 13.03.2013, 17:42 Uhr

Hintergrund

Update: 22.12.2015, 13:31 Uhr

Atomstrom

Atomenergie ohne Zukunft




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Von Petra Tempfer

  • Risikoforscher Kromp sieht Potenziale der Kernkraft eng begrenzt - bereits vor 2020 könnte es Engpässe bei den Uranvorkommen geben.

Ein Neutron schießt bei der Kernspaltung auf einen Urankern - und Barium- und Kryptonkerne entstehen. Drei schnelle Neutronen werden frei, die ihrerseits wieder Urankerne spalten. - © fotolia

Ein Neutron schießt bei der Kernspaltung auf einen Urankern - und Barium- und Kryptonkerne entstehen. Drei schnelle Neutronen werden frei, die ihrerseits wieder Urankerne spalten. © fotolia

Wien. Die derzeit heftig diskutierte Energiewende in Europa ist freilich ein langfristiges Projekt. Ziel ist, bis 2030 einen bestimmten Anteil der Erneuerbaren Energien auf EU-Ebene festzuschreiben. Deutschland hat bereits angekündigt, aus der Kernenergie auszusteigen, 2022 soll der letzte Reaktor vom Netz gehen. Gesamteuropa würde für einen Energiewandel laut Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber 40 bis 50 Jahre brauchen - doch dann ist es vielleicht schon zu spät. Sind doch die Potenziale der Kernenergie eng begrenzt, wie Wolfgang Kromp vom Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften an der Boku Wien am Mittwoch betonte.

Einer nun abgeschlossenen mehrjährigen Studie des Instituts zufolge könnte es bereits vor 2020 zu Engpässen kommen. Zwar reichten die Ressourcen für zahlreiche weitere Jahre - allein die Erschließung sei wegen der geringen Urankonzentration im Gestein kostspielig und unökonomisch. "Die ergiebigen Minen, in denen seit den 80er Jahren geschürft wird, sind bald erschöpft", ergänzte der deutsche Brennstoffexperte Werner Zittel.


Klimaschutz durch Kernenergie?Ein ursprünglicher Hintergedanke bei der vom Klima- und Energiefonds geförderten Studie war laut Kromp, den Beitrag der Kernenergie am Klimaschutz zu untersuchen. Das Ergebnis: Aufgrund der Engpässe sowohl beim Brennstoff, aber auch bei der Verfügbarkeit potenzieller Kraftwerks-Standorte sei dieser verschwindend klein. Nach dem Reaktorunglück von Fukushima, das sich am Montag zum zweiten Mal jährte und während der Studie passierte, könne man allerdings auch die Existenz eines Restrisikos "nicht mehr zur Seite schieben", so Kromp: Rund 19.000 Menschen starben, als ein Erdbeben den Nordosten Japans erschütterte und einen Tsunami sowie den Reaktorunfall auslöste. Mit Fukushima und dem Super-GAU von Tschernobyl 1986 sei schon zweimal deutlich geworden, welche Sicherheitsprobleme Kernkraftwerke bergen. "Ein Paradigmenwechsel ist nötig", betonte Kromp.

Das ist Wasser auf den Mühlen der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die ein als Klimaschutzmaßnahme getarntes "Comeback" der Kernenergie in Europa fürchtet. Sie warnte am Mittwoch vor einer Pro-Atom-Bewegung auf EU-Ebene: "Länder wie Großbritannien und Frankreich setzen sich für eine Aufnahme von Kernenergie als Klimaschutzmaßnahme und damit als Zukunftstechnologie in den Europäischen Energieszenarien bis 2030 ein." Eine Allianz aus zwölf Staaten versuche, die Gespräche über die Energiezukunft Europas zu beeinflussen.




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Dokument erstellt am 2013-03-13 17:47:05
Letzte Änderung am 2015-12-22 13:31:52


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