• vom 31.07.2015, 08:35 Uhr

Hintergrund

Update: 31.07.2015, 08:41 Uhr

Studie

Atomkatastrophen haben schwere psychische Folgen




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Von WZ Online, APA, dpa

  • Bessere Aufklärung der Bevölkerung gefordert - Chaotische Zustände bei Evakuierungen ebenfalls verantwortlich.

Tokio. Zum 70. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki fordern Forscher der Fukushima Medical University im Medizinjournal "The Lancet", die betroffene Bevölkerung über die tatsächlichen Gesundheitsrisiken durch Atomunfälle besser aufzuklären. Atomkatastrophen haben einer entsprechenden Studie zufolge für die Opfer gravierende, oft übersehene psychische Folgen.

Psychische Probleme auf Evakuierungschaos zurückzuführen


So sei die Rate an Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen noch 20 Jahre nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl hoch. Ähnliche Probleme gebe es nach dem Gau in Fukushima. Demnach leiden 14,6 Prozent der erwachsenen Evakuierten von Fukushima an psychischen Problemen, das sind fast fünf Mal mehr als in der allgemeinen Bevölkerung (3 Prozent). Dies führen die Autoren auch darauf zurück, dass die Evakuierungen recht chaotisch abliefen und die Betroffenen nur unzureichend über Gesundheitsgefahren informiert wurden.

"Obwohl die Strahlenbelastung für die Menschen nach Fukushima relativ niedrig war und keine erkennbaren körperlichen Gesundheitsschäden erwartet werden, hatten psychische und soziale Probleme einen verheerenden Einfluss auf das Leben der Menschen", wird Studienleiter Koichi Tanigawa in einer "Lancet"-Mitteilung zitiert. Es gelte, Lehren aus Fukushima zu ziehen. Eine der wichtigsten Aufgaben der Gesundheitsdienste sei, "verlässlich zu kommunizieren, dass bei den meisten Atomunfällen nur sehr wenige Menschen einer lebensbedrohlichen Dosis von Radioaktivität ausgesetzt sind", schreibt ein Team um Akira Ohtsuru von der Fukushima Medical University in einem zweiten Bericht.

Betroffene beobachten und behandeln

Man müsse den Bewohnern helfen, die Gesundheitsrisiken zu verstehen. Zudem müssten mentale Erkrankungen von Bewohnern, die ihre Häuser verlassen mussten, beobachtet und behandelt werden. Nach dem Gau in Fukushima am 11. März 2011 waren 170.000 Bewohner im Umkreis von 30 Kilometern der Atomruine evakuiert worden. Bei einem Drittel der weltweit insgesamt 437 Atomkraftwerke lebten teils deutlich mehr Menschen innerhalb eines solches Radius. Bei 21 AKW seien es mehr als eine Million.

Eine dritte Forschergruppe um Kenji Kamiya von der Hiroshima University schreibt, dass die Krebsgefahr im Falle moderater und hoher Strahlendosen deutlich steigt. Unklar bleibe dagegen das Risiko bei niedrigen Strahlenwerten - also 0,1 Gray oder weniger. Forschung sei nicht nur wichtig, um die Auswirkungen von Atomkatastrophen auf die Gesundheit zu ermitteln, sondern auch, um Grenzwerte und Standards zum Strahlenschutz zu entwickeln.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-07-31 08:03:54
Letzte Änderung am 2015-07-31 08:41:13


Fukushima






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