• vom 13.12.2017, 15:53 Uhr

Future Challenge


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"Leben 2030": Wie werden wir arbeiten?




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Von Cathren Landsgesell

  • Die Digitalisierung verändert leise die Arbeitswelt. Teil zwei der Serie zum Videowettbewerb "Future Challenge Leben 2030".

Arbeit im Logistikzentrum von Amazon in Robbinsville (USA). Amazon ist einer der globalen Big Player der digitalen Wirtschaft und nicht nur im Onlinehandel, sondern auch in der Soft- und Hardwareentwicklung sowie im Cloudcomputing tätig. - © Reuters/Lucas Jackson

Arbeit im Logistikzentrum von Amazon in Robbinsville (USA). Amazon ist einer der globalen Big Player der digitalen Wirtschaft und nicht nur im Onlinehandel, sondern auch in der Soft- und Hardwareentwicklung sowie im Cloudcomputing tätig. © Reuters/Lucas Jackson



Wien. Jana Aschauer ist 16. Eines Tages in einem Büro zu arbeiten und tagein tagaus dasselbe zu tun, kommt für sie nicht in Frage: "Ich liebe es, vielfältige Arbeiten zu haben und mit verschiedenen Menschen zu tun zu haben. Mir ist es wichtig, meine Kreativität ausleben zu können, selbstständig zu arbeiten und mir meine Zeit selbst einzuteilen."

Die Chancen, dass Jana Aschauer in ihrem zukünftigen Beruf glücklich wird, stehen nicht ganz schlecht. Die meisten Studien, die in den letzten Jahren zu dem Thema veröffentlicht wurden, gehen davon aus, dass es vor allem Routinetätigkeiten sein werden, die von Robotern bzw. digitalen Maschinen übernommen werden. 360.000 Jobs könnten in Österreich in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren verloren gehen, ermittelte das "Institut für Höhere Studien" (IHS). Das sind neun Prozent aller Arbeitsplätze. Vor allem Hilfsarbeitskräfte, Handwerker und Dienstleister werden von dieser Automatisierungswelle betroffen sein, analysierte das IHS. Bleiben also die spannenden und kreativen Tätigkeiten übrig? Welche Arbeitswelt erwartet Schüler und Schülerinnen wie Jana Aschauer?


Kreativ und sozial kompetent
"Die revolutionären Umbrüche, vor denen sich viele fürchten, werden wohl ausbleiben. Wir haben es eher mit schleichenden Veränderungen zu tun", sagt Annika Schönauer, Soziologin und Mitglied des Leitungsteams der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt, FORBA. Bereits heute sind zahlreiche Arbeitsprozesse digitalisiert oder werden digital unterstützt - etwa in der Paketlogistik und im Onlinehandel. Die Digitalisierung verändert die Struktur der Arbeit und verlangt neue Kompetenzen: "Wenn wir in Zukunft zum Beispiel verstärkt global vernetzt in virtuellen Teams arbeiten, wird es noch wichtiger werden, sozial kompetent zu sein. Dazu gehören auch scheinbar banale Dinge, etwa, in einer Videokonferenz sympathisch zu wirken", sagt Annika Schönauer. "Kreativität und Teamfähigkeit gehören zu den wichtigen Schlüsselkompetenzen." Die klassischen Berufsbilder werden zunehmend aufgeweicht, meint sie. An der Schule müsste es dementsprechend darum gehen, fächerübergreifendes vernetztes Denken zu lernen. "Die Bedienung von neuen Programmen und Anwendungen ist recht leicht erlernbar", sagt Schönauer. Was demgegenüber im Alltag wie in der Schule oft fehle, sei ein kritisches Bewusstsein der eigenen Rolle in der Digitalisierung.

Jana Aschauer fühlt sich von der HLW Deutschlandsberg, wo sie den Zweig Medien- und Kommunikationsdesign belegt hat, "grundsätzlich gut" auf einen zukünftigen Beruf vorbereitet: "Wir bekommen durch die Vielfältigkeit unserer Fächer eine gute Allgemeinbildung, doch ich würde mir viel mehr Kreativität und Individualität sowie Talente-Förderung wünschen."

Ihre Lehrerin, Verena Rexeis, sieht die berufsbildenden Schulen bereits stark auf eine digitalisierte Arbeitswelt ausgerichtet. "Abgesehen von den Lehrinhalten, die natürlich stark auf digitale Medien bzw. ihre Herstellung abzielen, sind wir, was die technische Ausstattung betrifft, ebenfalls einigermaßen gut aufgestellt." Allzu düstere Gedanken über die Zukunft machten sich ihre Schüler nicht: "Sie glauben nicht daran, dass Roboter ihnen die Arbeit wegnehmen könnten. Viel eher erwarten sie, dass die Digitalisierung in der Weise fortschreitet." Verena Rexeis hat vier Gruppen zur Future Challenge Leben 2030 angemeldet.

Vielleicht können sich die Schüler zumindest auf weniger Arbeit freuen: "An einer Reduktion der Arbeitszeit in den nächsten zwanzig Jahren führt eigentlich kein Weg vorbei", so Schönauer.




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Dokument erstellt am 2017-12-13 15:56:10