• vom 04.01.2018, 15:11 Uhr

Future Challenge

Update: 04.01.2018, 15:17 Uhr

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Digitalisierte Didaktik




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Von Cathren Landsgesell

  • Was bedeutet die Digitalisierung für Lehrerinnen und Lehrer? Teil 3 der Serie zur Future Challenge "Leben 2030".

Die DigiPlay Days der Erste Bank im November 2017: Um Jugendliche mit und für digitale Technologien zu begeistern, müssen Lehrende sie selbst beherrschen. - © Stanislav Jenis

Die DigiPlay Days der Erste Bank im November 2017: Um Jugendliche mit und für digitale Technologien zu begeistern, müssen Lehrende sie selbst beherrschen. © Stanislav Jenis



Wien. Evelyn Plattner unterrichtet am Gymnasium Telfs Ethik, Philosophie und Sport. Ihre Schule ist gut mit digitalen Medien ausgestattet. Seit kurzem können alle Schüler und Lehrer über das Online-Paket "Microsoft Office 365" verfügen, mit dem unter anderem Dokumente in der Cloud von mehreren Personen bearbeitet werden können. Die Schule hat einige Tablets für die Arbeit in Kleingruppen angeschafft, in jedem Klassenraum gibt es einen PC mit Internetzugang und einen Beamer. "Über den Beamer kann ich flexibel viele verschiedene Inhalte gleichzeitig nutzen, sie während des Unterrichts ergänzen und verändern. Es ist im Prinzip wie eine Tafel, nur wesentlich flexibler, und die Schüler haben die Unterlagen auch gleich auf ihren Geräten", sagt Evelyn Plattner. Arbeitsaufgaben für Zuhause vergibt sie unter anderem mit "OneNote", einem Schreibprogramm. Die elektronischen Geräte sind für sie willkommene Arbeitsinstrumente, die ihren Unterricht bereichern, wie Plattner findet. Sie bedauert lediglich, dass noch nicht alle Klassenräume über WLAN verfügen. Mit den digitalen Medien umgehen zu lernen, so meint sie, muss ein selbstverständlicher Teil des Unterrichts sein: "Die Schüler brauchen diese Geräte und Medien ja in ihren späteren Berufen. Ohne digitale Kompetenzen ist man heute schnell außen vor."

Digitale Kompetenz
Die Vermittlung digitaler Kompetenzen ist seit Jahren bereits ein zentrales Anliegen jeglicher Bildungspolitik. Die meisten weiterführenden Schulen in Österreich nutzen regelmäßig eine Form elektronischer bzw. digitaler Medien im Unterricht, alle Schulen verfügen über Breitbandinternet, Lehrinhalte werden zunehmend in digitaler Form zur Verfügung gestellt und die Schulen mit den entsprechenden Geräten ausgestattet. Seit Herbst läuft das Programm "Schule 4.0", das unter anderem eine verbindliche Übung "Digitale Grundbildung" im Ausmaß von zwei bis vier Wochenstunden vorsieht. Digitale Bildung steht entsprechend auch auf dem Lehrplan der Pädagogischen Hochschulen, und zu Beginn ihrer Berufslaufbahn müssen Lehrende künftig einen "digi-check" absolvieren.


Neue Lern- und Lehrkulturen
Dass auch die Lehrenden ausgebildet werden müssen, wenn sie mit den neuen Medien im Unterricht arbeiten sollen, ist eine noch relativ neue Erkenntnis. Noch hinken die Kompetenzen der Lehrenden den technischen Möglichkeiten etwas hinterher.

"Digitale Medien können die Art wie wir lernen grundlegend verändern", sagt Reinhard Bauer. Er lehrt und forscht am "Zentrum für Lerntechnologie und Innovation" (ZLI) an der Pädagogischen Hochschule Wien. Digitale Medien haben dem Lernen aus seiner Sicht viel zu geben: Sie machen es einfacher, Aufgaben zu Hause zu lösen, sie erleichtern die Arbeit in Gruppen, sie ermöglichen vielen Menschen den Zugang zu Wissen, sind interaktiv und unterstützen generell ein kollaboratives gemeinsames Lernen. "Damit sie ihr Potenzial entfalten können, müssen wir aber abgesehen von einer guten Ausstattung an den Schulen auch in die Ausbildung der Lehrenden investieren", so Bauer.

Diese Ausbildung muss aus seiner Sicht über die Vermittlung digitaler Kompetenzen hinausgehen. Lehrende, die zum Beispiel Moodle-Onlinekurse nutzen möchten, sollten etwa auch Learning Management- und Content Management-Systeme beherrschen, um das ganze Potenzial der neuen Medien auszuschöpfen. "Anders als bei papierbasierten Portfolios kann ich beim E-Learning unterschiedliche Medien einbinden, etwa Videos, Bilder und auch Audiodateien. Das bringt Vielfalt in den Unterricht, aber man muss das auch entsprechend gestalten können," so Bauer.

Jehona Shaqiri-Petritz, die am Gymnasium in Tanzenberg Bildnerische Erziehung unterrichtet, arbeitet bereits weitgehend digital. Sie sagt, dass die Digitalisierung ihren Unterricht bereichert hat. Sie nutzt die "neuen" Technologien vor allem, um verschiedene Medien kombinieren zu können. "Die Qualität des Unterrichts hat sich durch die Multimedialität enorm verbessert", sagt sie. Wie Evelyn Plattner hat sie mehrere Klassen zur Future Challenge "Leben 2030" angemeldet.

Soft Skills
Die Digitalisierung fordert auch Fähigkeiten von Lehrenden neu heraus, die immer schon wichtig waren, nun aber noch bedeutender werden, etwa kommunikative Skills: "Onlinekurse zum Beispiel müssen moderiert werden, man kann die Schüler und Schülerinnen nicht damit allein lassen", sagt Bauer. "Lehrer und Lehrerinnen brauchen daher zum Beispiel die Fähigkeit, auf motivierende Weise aus der Distanz Feedback zu geben, sodass die Lernenden auch bei der Sache bleiben."




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Dokument erstellt am 2018-01-04 15:14:07
Letzte ─nderung am 2018-01-04 15:17:10



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