• vom 11.02.2018, 11:00 Uhr

Future Challenge

Update: 12.02.2018, 11:53 Uhr

Future Challenge

"Du bestimmst, welchen Weg Du gehst"




  • Artikel
  • Lesenswert (10)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Cathren Landsgesell

  • Ausbildungsleiter Erich Buza erklärt in Teil V unserer Serie zur Future Challenge "Leben 2030", warum die Lehre Zukunft hat.

Erich Buza, Leiter des Lehrlingsmanagements der Wiener Stadtwerke Holding AG

Erich Buza, Leiter des Lehrlingsmanagements der Wiener Stadtwerke Holding AG© Wiener Netze/Manfred Tucherl Erich Buza, Leiter des Lehrlingsmanagements der Wiener Stadtwerke Holding AG© Wiener Netze/Manfred Tucherl

"Wiener Zeitung": Kann man Jugendlichen in einer Bildungsgesellschaft noch eine Lehre empfehlen?

Erich Buza: Unbedingt! Eine Lehre ist das Fundament einer soliden Berufsausbildung und nicht nur etwas für diejenigen, die eher handwerklich arbeiten möchten oder schneller in den Beruf wollen und Geld verdienen. Eine Lehre ist eine hochwertige Alternative zur schulischen Ausbildung.

Information

Erich Buza leitet das Lehrlingsmanagement der Wiener Stadtwerke Holding AG. Zu den Wiener Stadtwerken gehören Wien Energie, Wiener Netze, Wiener Linien, Wiener Lokalbahnen, Wipark sowie Bestattung und Friedhöfe Wien. 408 Lehrlinge in 13 Lehrberufen werden derzeit bei den Wiener Stadtwerken ausgebildet, 42 davon bei Wien Energie. Die meisten Lehrlinge, 164, sind im Bereich Elektrotechnik bzw. Energietechnik zu finden, gefolgt von der Ausbildung zur Bürokauffrau/-mann mit 45 Lehrlingen. Metalltechnik und Maschinenbautechnik sind weitere wichtige Bereiche. 80 Prozent der Lehrlinge bleiben auch nach Abschluss der Ausbildung im Unternehmen.

Auch vor dem Hintergrund des technologischen Wandels?

Ja. Gerade vor dem Hintergrund von Industrie 4.0 und der Digitalisierung: Wir können als Unternehmen diesen Wandel nur vollziehen, wenn wir fachlich solide ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Ein Beispiel: Die Lehre in der Elektrotechnik, die unter anderem auch bei Wien Energie den Großteil der Ausbildung ausmacht, hat sich in den letzten Jahren bereits sehr stark gewandelt, um künftigen Aufgaben gewachsen zu sein. Elektriker vor zwanzig oder dreißig Jahren mussten sich nicht mit Netzwerkverkabelung auseinandersetzen. Das ist heute eine notwendige Zusatzqualifikation. Gerade bei Wien Energie wird man als Elektrotechnikerin bzw. Elektrotechniker ohne Kenntnisse der Netzwerkkommunikationstechnik nicht bestehen können. Ebenso gilt aber auch: Ohne solides Fundament geht es nicht. Und das leistet die Lehre. Dieses Fundament wird in Grundzügen gleich bleiben und sich mit dem technologischen Wandel erweitern und weiter entwickeln. Die sogenannten klassischen Lehrberufe sind Berufe mit Zukunft, weil diese Qualifikationen auch in Zukunft gebraucht werden.

Müssen sich Lehrberufe oder Berufsbilder verändern?

Die Sache ist ja die, dass wir im Moment noch nicht absehen können, wohin die Reise geht. Der technologische Wandel ist für alle neu. Mir erscheint es daher wichtig, dass die Lehrausbildung die Jugendlichen in ihren Schlüsselkompetenzen darauf vorbereitet, lebenslang zu lernen. Damit sie nicht irgendwann sagen: "So jetzt bin ich 30 und jetzt reicht es mir." Darauf müssen wir die Jugendlichen vorbereiten.

Bewerben sich immer genügend Lehrlinge für alle Lehrstellen?

Wir sind in der glücklichen Lage, oftmals mehr Bewerbungen als Stellen zu haben. Allerdings ist es so, dass wir etwa in der Elektrotechnik oft nicht ausreichend qualifizierte Bewerbungen haben. Es mangelt teilweise an Basiskompetenzen.

Welche Basiskompetenzen fehlen?

Oft reichen die Mathematikkenntnisse nicht aus - weder für einen technischen noch für einen kaufmännischen Beruf. Es mangelt aber auch an Selbständigkeit, Eigenverantwortung und so einfachen Fähigkeiten wie Pünktlichkeit. Auf Letztere legen wir aber zum Beispiel sehr viel Wert, denn wir möchten ja, dass unsere Kundinnen und Kunden zufrieden sind und nicht den halben Tag auf die Technikerin oder den Techniker warten müssen.

Hat die Schule bei der Vermittlung von Basiskompetenzen versagt?

Man darf nicht alles der Schule anlasten. Sie kann gesellschaftliche Veränderungen nur bis zu einem gewissen Grad auffangen. Ich glaube, dass vielen Jugendlichen diese Werte in ihrem Umfeld einfach nicht vermittelt wurden. Sie sind überfordert, wenn in der Berufswelt plötzlich Werte oder Kompetenzen erwartet werden, mit denen sie zuvor nie konfrontiert waren.

Was würden Sie jungen Menschen am Beginn ihres Berufslebens mit auf den Weg geben?

Ich würde ihnen sagen: "Informiere dich, welche Möglichkeiten dir die Berufswelt gibt und dann entscheide dich. Welchen Weg du gehst, das bestimmst du!"





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-09 15:26:21
Letzte Änderung am 2018-02-12 11:53:17



Unser Partner


Werbung



Future Challenge - die Playlist 2018

>>Zur Playlist


Werbung