• vom 11.02.2018, 11:00 Uhr

Future Challenge

Update: 12.02.2018, 11:46 Uhr

Future Challenge

Lehre scheint sich zu lohnen




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Von Cathren Landsgesell

  • Die Arbeitsmarktdaten bescheinigen der klassischen Lehre großes Potenzial - gerade in der digitalisierten Wirtschaft.

Annina macht eine Lehre bei der Konditorei Oberlaa - © Stanislav Jenis

Annina macht eine Lehre bei der Konditorei Oberlaa © Stanislav Jenis

Wien. Die längste Zeit war Sabine Putz nicht sicher, ob die Veränderungen durch die Digitalisierung tatsächlich so revolutionär sind, wie viele behaupten. "Ich bin jahrelang davon ausgegangen, dass wir eine normale Entwicklung erleben, wie in den Jahrzehnten zuvor auch: Berufe verändern sich ja laufend mit dem technologischen Fortschritt, Tätigkeiten fallen weg, neue kommen hinzu. Inzwischen denke ich aber, dass insbesondere die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz große Umwälzungen mit sich bringen werden." Sabine Putz leitet die Abteilung für Arbeitsmarktforschung und Berufsinformation des AMS Österreich. Über die Lehre an sich macht sie sich wenig Sorgen, wohl aber um bestimmte Tätigkeiten, etwa im Handel: "Der Handel ist von der Digitalisierung stark betroffen. Er verlagert sich mehr und mehr auf den Onlinehandel, hinzukommen automatisierte Kassensysteme usw. Daher erwarten wir in den kommenden Jahren noch weitere Umbrüche. Das bedeutet aber nicht, dass bestimmte Lehrberufe obsolet werden."

Neue Lehrberufe
Die Broschüre "Lehrberufe in Österreich", herausgegeben von der Wirtschaftskammer, zeigt die Dynamik der Lehrausbildung: 198 Lehrberufe vom Archivassistenten bis zur Zimmereitechnik gibt es. Jedes Jahr kommen neue Berufe hinzu oder werden modernisiert. So 2017 etwa der Lehrberuf "Einzelhandel/Digitaler Verkauf" oder "Sonnenschutztechnik". Die Umbenennung, Modernisierung und Neuschaffung von Lehrberufen geht meist von den Betrieben aus und wird vom Wirtschaftsministerium verordnet. Sabine Putz sagt daher, dass die Betriebe sehr gut in der Lage seien, bei der innerbetrieblichen Ausbildung angemessen auf neue Herausforderungen zu reagieren. "Die Betriebe werden nicht in Bereichen ausbilden, die dann nicht mehr gebraucht werden."


33.721 Jugendliche sehen es ähnlich und haben 2017 eine Lehre begonnen. 106.613 Lehrlinge gibt es in Österreich, nur 4273 Lehrstellen blieben 2017 unbesetzt. Während es Mädchen in den Handel oder ins Büro zieht, sind Metall- und Elektrotechnik für Buben am attraktivsten.

Michael Tötzl unterrichtet an der Berufsschule für Maschinen-, Fertigungstechnik und Elektronik in der Apollogasse im 7. Bezirk in Wien und hat eine Klasse zur Future Challenge der "Wiener Zeitung" zum Thema "Leben 2030" angemeldet. Aus seiner Sicht hat die Lehre in den letzten Jahren zu Unrecht an positivem Image eingebüßt. "Die Fachkräfte, die in Betrieb und Schule ausgebildet werden, sind das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft", sagt er.

Die Entwicklung hin zu einer individualisierten industriellen Produktion - Stichwort Industrie 4.0 - wird die Lehre aus seiner Sicht aufwerten. "Metall- und Elektrotechnik sind sehr hochstehende Berufe, die bereits sehr stark auf eine digitalisierte Wirtschaft ausgerichtet sind."

Tötzl plädiert dafür, die Betriebe und die Lehrlinge während der Ausbildung besser zu begleiten: "Heute spitzt sich alles auf die Lehrabschlussprüfung zu. Dann muss der Lehrling zeigen, dass er sein Fach beherrscht. Es wäre aus meiner Sicht klüger, bereits während der Lehrzeit die im Betrieb erworbenen Lernfortschritte zu überprüfen."

Fachkräfte werden gebraucht
Manuelle Fertigkeiten und Fachkenntnisse werden auch in einer digitalisierten Wirtschaft gebraucht, ist seine Überzeugung: "Die duale Ausbildung ist eine Erfolgsstory, man müsste sie nur attraktiver gestalten, denn die Fachkräfte werden gebraucht."

Der Arbeitsmarkt scheint ihm recht zu geben: 75 Prozent aller Lehrabsolventen haben nach ihrem Abschluss sofort einen Arbeitsplatz, so eine Studie des Bildungsministeriums aus dem Jahr 2016. Die Arbeitslosenquote bei Lehrabsolventen ist nach Daten der Statistik Austria mit 5,3 Prozent niedriger als jene der AHS-Absolventen (7,8 Prozent).




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Dokument erstellt am 2018-02-09 15:26:21
Letzte Änderung am 2018-02-12 11:46:19



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