• vom 05.03.2018, 12:19 Uhr

Future Challenge

Update: 17.04.2018, 18:51 Uhr

Future Challenge

Trolle in der Schule




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    Der Twitter-Account von Donald Trump. Oder?, Foto: dpa/Patrick Pleul

    Der Twitter-Account von Donald Trump. Oder?© dpa/Patrick Pleul Der Twitter-Account von Donald Trump. Oder?© dpa/Patrick Pleul

    Wien. Von den USA über Frankreich, Deutschland bis Österreich: Kaum eine Wahl in den letzten zwei Jahren, in der gezielte Fake-News-Kampagnen keine Rolle gespielt hätten. Besonders hervorgetan hat sich dabei die russische "Internet Research Agency" (IRA), eine "Trollfabrik" in St. Petersburg, die systematisch Falschnachrichten erfindet und verbreitet. Die seit etwa 2011 existierende IRA arbeitet auch mit sogenannten Bots, automatisierten Accounts, die ohne menschliche Hilfe Inhalte jeglicher Art im Internet verbreiten können. Der Präsidentin des italienischen Abgeordnetenhauses, Laura Boldrini, reichte es im vergangenen Herbst, nachdem ein Facebook-Post behauptete, sie habe ihrem Bruder einen Job mit einem Gehalt von 47.000 Euro im Monat verschafft. Der Post stammte in dem Fall von einer realen Person, Gian Marco Centinaio, einem Senator der Lega Nord. 18.000 Mal wurde er geteilt. Boldrini rief die Initiative "Basta Bufale" ("Schluss mit Fake News") ins Leben. Seit November 2017 sind Fake News nun ein Unterrichtsgegenstand in Italien. Vorerst auf freiwilliger Basis.

    Handelt es sich bei Fake News um ein neues Phänomen? "Nein," sagt die Kommunikationswissenschafterin Sophie Lecheler von der Universität Wien. "Es hat immer gezielte Falschmeldungen etwa im Dienste von Propaganda gegeben. Was Fake News aber besonders perfide macht, ist, dass sie sich als journalistische Produkte tarnen, es aber kein Medium gibt."

    Es sei schwer, die konkreten Effekte gefälschter Nachrichten zu messen, sagt Lecheler. Aber: "Fake News untergraben das Vertrauen in die etablierten Medien, indem diese mit dem Label pauschal als unglaubwürdig verunglimpft werden." Ein Beispiel aus Österreich ist die Behauptung des Vizekanzlers Heinz-Christian Strache auf Facebook, der ORF verbreite Fake News: "Es gibt einen Ort, an dem Lügen zu Nachrichten werden. Das ist der ORF", hieß es in dem Post von Strache. "Dass Parteien und Politiker dieses Label nutzen, um Medien als unglaubwürdig darzustellen, kommt immer häufiger vor, nicht zuletzt beim amerikanischen Präsidenten Donald Trump", so Lecheler. "Das beschädigt die Demokratie. Denn es bedeutet nichts anderes, als dass man sagt, Medien gehören nicht zum politischen System."

    Lesen, was andere lesen

    Wenn Maximilian Schötta und Victor Martin sich über Politik informieren wollen, dann tun sie das fast ausschließlich online, aber nicht auf Facebook. Die beiden Schüler lernen an der HTL Ottakring Informationstechnologie und stehen kurz vor der Matura. Ihr Schwerpunkt ist Medientechnik, darunter Webdesign, Video- und Bildbearbeitung. Bei der "Future Challenge" der "Wiener Zeitung" werden sie sich unter anderem damit befassen, wie Artificial Intelligence das Leben 2030 beeinflusst.

    "Ich lasse mich von Twitter auf andere Nachrichtenkanäle weiterleiten", sagt Victor Martin. "Ich muss keine Nachrichtenportale durchforsten und bekomme das, was mich auch interessiert." Maximilian Schötta ergänzt: "Der Vorteil von Twitter ist die Schnelligkeit." Schötta folgt unter anderem Armin Wolf und schätzt die hohe Frequenz seiner Tweets: "Man hat quasi alle Informationen in Echtzeit."

    86 Prozent sind misstrauisch

    Die beiden HTL-Schüler haben durch ihre technische Ausbildung bereits erworben, was als "Medienkompetenz" diskutiert wird und Gegenstand jeder Schulausbildung werden soll. Ihr Lehrer Richard Wurzer sagt: "Unsere Schüler wissen, was Algorithmen sind und wie sie beeinflussen, was wir auf Social Media sehen. Sie wissen auch, dass und warum die Suchergebnisse auf Google nicht auf jedem Computer gleich sind." Mit seiner Klasse hat Wurzer unter anderem einen Workshop gemacht, um zu zeigen, wie leicht Bilder bearbeitet oder gänzlich gefälscht werden können.

    86 Prozent der Jugendlichen, die in einer Studie von "Saferinternet.at" befragt wurden, sind sich nicht sicher, dass sie den Nachrichten im Internet trauen können. Diese Verunsicherung hängt nach Einschätzung von Barbara Buchegger, Forscherin am Österreichischen Institut für Telekommunikation (ÖIAT) und Leiterin von Saferinternet.at, auch damit zusammen, dass nur wenig Zeit für die Überprüfung aufgewendet wird: "Alles, was nicht sofort überprüft werden kann, gilt ebenso schnell als nicht überprüfbar." Die sozialen Medien sind der Studie zufolge die Hauptinformationsquellen für tagesaktuelle Themen. Zugleich wird den sozialen Medien aber auch das meiste Misstrauen entgegengebracht. Die "klassischen" Medien wie Zeitungen, Fernsehen und Radio gelten als vergleichsweise verlässlich, werden aber seltener genutzt. Elisabeth Herndl, Medienpädagogin bei "Education Group", ein Projektzentrum in Linz, das Pädagogen in den Bereichen Pädagogik, Technik und Medien unterstützt, macht ähnliche Erfahrungen: "Wie unsere Medienstudie zeigt, sind klassische Medien wie Fernsehen und Radio für Jugendliche zunehmend weniger bedeutsam." Barbara Buchegger beobachtet zugleich, dass Jugendliche beginnen, sich von Social Media abzuwenden: "Sie wollen eigentlich nicht überprüft werden, weder vom Staat, der Gesellschaft, ihren Eltern, noch von ihren Freunden."

    Fake News erkennen

    Fake News verbreiten sich unter anderem deshalb so schnell, weil sie auf Provokationen und Sensationen setzen. Sie können alle möglichen Themen besetzen, haben aber signifikante stilistische Gemeinsamkeiten: "Zum Beispiel sehr lange Titel in der Art von ‚Sie werden nicht glauben, was wir entdeckt haben‘. Oft hat der Inhalt im Text nichts mit der Headline zu tun. Diese ist einfach ‚Clickbait‘ - ein Köder, man soll klicken und teilen", so Sophie Lecheler.




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    Dokument erstellt am 2018-03-05 12:23:40
    Letzte Änderung am 2018-04-17 18:51:27


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