Tatsächlich fragt man sich unwillkürlich, was da eigentlich los ist. Die allermeisten der 61 Schüler-Videos der Future Challenge "Leben 2030" malen die Zukunft in den dunkelsten Farben. Die Jugendlichen lassen keinen Zweifel daran, dass sie nicht an eine Lösung der großen Probleme der Gegenwart glauben. Zukunft, das ist in den meisten Beiträgen eine von Umweltzerstörung, totaler Überwachung und Kontrolle geprägte Welt, die nicht lebenswert ist.

Verstörend düster
Die Düsternis verstört, auch wenn sie oft mit viel Humor vorgebracht wird. "Ich muss zugeben, dass mich dieser Tenor des Ausgeliefertseins an die Probleme überrascht und auch etwas betroffen gemacht hat", sagt Christiane Spiel.

Bildungspsychologin Christiane Spiel ist Teil einer vierköpfigen Expertenjury, die soeben ihre Bewertung der zehn Videos abgeschlossen hat, die während der öffentlichen Votingphase im April auf YouTube die meisten "Likes" bekamen.

Welche Schüler den Videowettbewerb Future Challenge gewonnen haben, erfahren wir erst am Dienstag bei der feierlichen Gala im Naturhistorischen Museum in Wien. An dem 5. Juni werden die Preise der Expertenjury und der Special Award der Redaktion der "Wiener Zeitung" vergeben. Der Expertenjury gehören neben Christiane Spiel der Spartenbildungsbeauftragte und Innungsmeister der Dachdecker, Glaser und Spengler der Wirtschaftskammer Wien, Alexander Eppler, die Regisseurin und Produzentin Nina Kusturica und der Filmemacher Paul Poet an.

"Sie fühlen sich nicht besonders stark"
Insgesamt 61 Schülergruppen aus ganz Österreich und aus allen höher bildenden Schulformen haben sich in diesem Jahr an dem Videowettbewerb der "Wiener Zeitung" beteiligt. Das Thema: "Leben 2030".
Entstanden sind 61 spannende Auseinandersetzungen mit der Zukunft, die zugleich Einblick geben in das Lebensgefühl junger Menschen heute. Die jungen Filmemacher und Filmemacherinnen sind zwischen 14 und 19 Jahre alt und scheinen mehrheitlich überzeugt, dass die Zukunft schlechter sein wird als die Gegenwart. "Ich finde das Problembewusstsein grundsätzlich gut und positiv", sagt Christiane Spiel dazu. "Ich würde mir aber wünschen oder vielmehr hoffen, dass junge Menschen sagen: ‚Ja, wir haben Probleme, aber wir können auch etwas verändern. Wir sind nicht hilflos der Zukunft ausgeliefert.‘" Der Regisseurin Nina Kusturica ging es während des Sichtens ähnlich: "Die Schüler formulieren keine Ansätze, wie sie die Ungleichheit, die sie wahrnehmen, verändern wollen. Sie fühlen sich nicht besonders stark. Das besorgt mich", sagt sie.