Mnemo-Techniken gehen bereits auf die alten Griechen und Römer zurück, bei denen das Gedächtnis einen hohen Stellenwert hatte. "Einerseits war Pergament zum Schreiben damals sehr teuer", gibt Ilic zu bedenken. Noch in römischen Schulen wurde daher auf Wachstafeln geschrieben, die wieder löschbar waren. Zudem wurde der Schrift misstraut. Sokrates beispielsweise war davon überzeugt, dass das Niederschreiben das Vergessen fördern würde, weil man sich nicht mehr auf das Gedächtnis verließe. Es heißt auch nicht umsonst "sich etwas von der Seele schreiben" - mit Aufschreiben kann man Gedanken auch aus dem Kopf spülen. Von Sokrates gibt es auch konsequent keine direkten schriftlichen Überlieferungen, nur - ironischerweise - die Aufzeichnungen anderer, wie seiner Schüler Platon und Xenophon.

Die beiden Grundpfeiler der antiken Mnemo-Techniken, die bis heute verwendet werden, sind der Gedächtnispalast und die Emotionalisierung. "Emotionen eignen sich hervorragend, um Informationen damit zu verknüpfen. Wer beispielsweise erinnert sich nicht an seinen ersten Kuss oder ein besonders erschreckendes Erlebnis? So was bliebt einfach im Gedächtnis", meint Ilic. Insbesondere der Gedächtnispalast zeichnet sich durch große Effektivität aus.

Gespeichertes Wissen mit Gegenständen verknüpfen

"Wenn ein Cicero beispielsweise im römischen Senat für mehrere Stunden ohne Notizen oder Ähnliches referiert hat, wurde er für unglaublich klug gehalten. Dabei hat er sich nur der Gedächtnispalast-Methode bedient und mit Assoziationen alles behalten", sagt Ivica Ilic.

Beim Gedächtnispalast bedient man sich der sogenannten Loci-Methode. Man erzählt über die Struktur eines imaginären Raumes eine Geschichte, gespeichertes Wissen wird mit Gegenständen im Raum verknüpft. Die Räume des Gedächtnispalastes sollten dabei thematisch zum gespeicherten Wissen passen. Idealerweise ist er so exotisch, fantastisch und prägnant, dass das gespeicherte Wissen lange erhalten bleibt und man das Gedankenbauwerk gerne "besucht", um es abzurufen.

Der Gedächtnispalast ist nicht nur eine effektive Mnemotechnik, er ist auch Hilfsmittel für einige bekannte hochintelligente Literaturgestalten wie Sherlock Holmes oder Hannibal Lecter. Die Arbeiten an einem derartigen Gedankenbauwerk sollten am besten klein beginnen. "Man fängt mit einem Zimmer an, vielleicht dem eigenen, und ordnet den Dingen darin verschiedene Informationen zu. Dann baut man langsam aus, es kommen Räume dazu, dann ganze Stockwerke", erklärt Ilic. So entwickelt sich eine Gedächtnis-ein-Zimmer-Wohnung zu einem Gedächtnis-Apartment bis hin zur Villa oder einem Palast.

Gemeinsam lernen bringt oft mehr

Wer sein Gedächtnis abseits von Seminaren auf Vordermann bringen möchte, für den hat Ilic einige praktische Tipps, beispielsweise einfache Eselsbrücken oder Akronyme. "Viele haben mir schon gesagt, das seien doch Kindermethoden. Aber man muss diese Kindermethoden einfach erwachsen werden lassen und sie werden zu mächtigen Werkzeugen", gibt Gedächtnistrainer Ilic zu bedenken.

Abgesehen davon sei das selbständige Training im Alltag ohnehin essenziell. "Egal ob beim Frühstück oder wenn man im Stau steht und sich Verkehrszeichen zu merken beginnt", sagt Ilic. Er empfiehlt unabhängig davon insbesondere im schulischen Bereich, lieber in Gruppen zu lernen als alleine. "Verständnisorientierten Stoff begreift man im Austausch mit anderen oder wenn man ihn Kollegen erklärt am besten. Bei einer schwierigen Formel lohnt es sich aber auch, sich alleine in Ruhe den Kopf darüber zu zerbrechen", sagt er.

Über all das Lernen und Trainieren darf man aber niemals Pausen vernachlässigen, betont Ilic. "Wie in der Schule sollte man nach etwa einer Dreivierteilstunde eine kurze Pause machen und die Pausen dann sukzessive verlängern. Auch Schlaf ist wichtig, mindestens eineinhalb Stunden, um Gelerntes zu verinnerlichen. Kurze ,powernaps‘ sind nur dazu gut, um die Batterien vor einer Präsentation aufzuladen."