Wie muss man sich so ein Turnier vorstellen? Da sitzen die Kandidaten regungslos beim Tisch, memorieren stundenlang ihre Aufgaben. Für Zuschauer ist das nicht gerade spannend.

Es ist schon wie eine Prüfungssituation. Man sitzt konzentriert da, bekommt einen Zettel. Dann erfolgt das Startsignal, alle drehen den Zettel um und fangen an. Es herrscht absolute Stille, es haben auch alle Kopfhörer auf. Zum Zuschauen ist es freilich unspektakulär, aber das kann man auch vom Schach sagen und trotzdem schauen viele gern zu.

Haben Sie sich schon gefragt, was beim Memorieren in Ihrem Gehirn vorgeht?

Ich habe mich viel damit beschäftigt. Ich habe einmal bei einer Studie am Max-Planck-Institut teilgenommen, das war eine Drei-Tages-Studie, wo man permanent verkabelt war - auch im Schlaflabor. Das war eine Vergleichsstudie von Gedächtnissportlern und Studenten, wo man die verschiedensten Aufgaben lösen musste. Interessant war zum Beispiel eine Aufgabe, wo 100 Wörter projiziert wurden und man sich bestimmte Wörter merken und andere wieder sofort vergessen musste. Ich habe zum Beispiel von den vergessenen Wörtern nur noch eines gewusst, die Studenten aber viel mehr. Da sieht man sehr gut, wie effizient die Systeme sind. Man kann sich also auch bewusst etwas nicht merken.

Dabei ist Vergessen-Können ja für unser Gehirn sehr wichtig.

Das ist ein Segen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die Zahlen und Wörter irgendwann komplett verschwinden. Man will das ja auch gar nicht im Langzeitgedächtnis behalten.

Welche Dinge erachten Sie persönlich als wert, behalten zu werden?

Was ich mir gerne merke, sind Gedichte - die "Bürgschaft" oder die "Glocke" von Friedrich Schiller sind wunderschön. Gedichte habe ich immer schon in der Freizeit gern auswendig gelernt, weil sie mir gut gefallen und auch eine Botschaft haben.