Wien. "Jene, die die Pilze essen, sehen Visionen und spüren ihren Herzschlag. Die Visionen, die sie sehen, sind das eine Mal furchterregend, das andere Mal witzig", schrieb der Ethnograf Fray Bernardino de Sahagún in seinem Buch "Codex Florentinus" aus dem Jahr 1569. Bernardino de Sahagún studierte die Azteken und war darauf gestoßen, dass die Ureinwohner des Landes, das die Conquistadores unterworfen hatten, reiche Kenntnisse der bewusstseinserweiternden Wirkung der verschiedensten Pflanzen hatten.

Die Archäologen haben heute Zeugnisse dieser altertümlichen Drogenkultur: Eine prä-kolumbianische Statue, die zirka um 1200 vor Christus entstanden sein muss, zeigt einen zweigeteilten Kopf: Die linke Seite zeigt einen Jaguar-Kopf, die rechte Seite ein menschliches Antlitz, auf dem das Bild eines Amanita-muscaria-Pilzes eingearbeitet ist. Hat der unbekannte Künstler aus dem südamerikanischen Altertum seine Psilocybin-Drogenerfahrung verarbeitet?

Medizin und religiöse Rituale

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© Getty/Stanislav Tiplyashin

"Die Menschen in Mesoamerika nützten diese psychotropischen Drogen vor allem zu medizinischen Zwecken und für religiöse Rituale", wird der spanische Experte für tropische Neurologie, Francisco Javier Carod-Artal auf der renommierten Naturwissenschaftswebsite livescience.com zitiert. Mittelamerikanische Grabfiguren aus der Zeit um 200 vor Christus zeugen davon, dass vor über 2200 Jahren neben Pilzen auch die psychedelische Droge Peyote, die aus dem Kaktus Lophophora williamsii gewonnen wird, verwendet wurde. Der Name Peyote leitet sich aus der Nahuatl-Sprache ab, die von Azteken und Nahua gesprochen wurde, für die Peyotl nichts anderes als der "Götterbote" war. Der Kaktus wurde für Feldfruchtbarkeitsrituale oder Rituale, die Jagderfolg und Kriegsglück garantieren sollten, verwendet. Die Schamanen erhofften sich hellseherische Fähigkeiten, Peyote wurde aber auch jenseits des Rituals zur Bekämpfung von Hunger, Durst und Ermüdung verwendet.

Wirkstoff Meskalin

Peyote wurde später von den christlichen Missionaren verdrängt und durch den Agavenschnaps Tequila ersetzt, wurde aber ab zirka 1870 bei den Indianerstämmen Nordamerikas verwendet. Die wichtigste psychoaktive Substanz von Peyote ist Meskalin, eine chemische Verbindung, die 1897 vom deutschen Chemiker Arthur Heffner entdeckt wurde. "Heffners Entdeckung repräsentiert das erste Zusammenprallen von indigenen religiöser Praxis - altertümlich, emotional und subjektiv - mit moderner Pharmakologie - eine damals noch junge Wissenschaft, objektiv und distanziert", schreibt Autor Cody Johnson in seinem Buch "Magic Medicine".