Nacktes Fleisch, das sich wogend bewegt, Fettpolster und Cellulitis, die geschüttelt werden und dazu jede Menge Schweiß, der am Boden durch Wälzen noch extra sichtbar gemacht wird. Das Klatschen der nackten Körper, wenn sie gegeneinander prallen oder auf den Boden geschmettert werden, ist Teil der Geräuschkulisse. "Fetttanztechnik" nennt es die heimische Performerin und Choreografin Doris Uhlich und legt dazu noch ein paar Platten auf. Und sie hat Recht, wenn sie dieses Stück "more than naked" benennt. Denn einfach nur nackt ist keiner der 20 Performer.

Schwabbelnde Körperteile


Die Beschreibung des Stücks klingt nicht einladend, was Uhlich aus der Nacktheit aber macht, umso mehr: Selbst wenn Körperteile zum Schwabbeln gebracht werden, die Darsteller ohne Scham einander berühren, entstehen zu keinem Zeitpunkt obszöne oder erotische Anspielungen. Vielmehr fühlt man sich als Zuschauer overdressed. Sicherlich ist es heute keine Seltenheit mehr, nackte Darsteller auf der Bühne zu präsentieren, doch Uhlich - sie hat übrigens eben den Outstanding artist award des Kulturministeriums in der Sparte Darstellende Kunst erhalten - gelingt ein ästhetischer Zugang mit barocken Anspielungen, der jeden einzelnen Körper in seiner Bewegung und in seinem Aussehen als einzigartig präsentiert. Dick oder dünn, muskulös oder mit Speck-ansätzen ist hier nicht Thema, vielmehr ist es die Befreiung von Schönheitsidealen und gesellschaftlichen Konventionen.