So verwirrend die Welt der Tanz-Performances auch sein mag – dort erfährt man beispielsweise mehr zum Thema "Lemonismus", also grob umrissen, wie man mit Zitronen spricht (Akemi Takeya: Lemonism x Actionism, 21. 7. 2015). Oder man ergötzt sich an bühnenreifem "Kochen" (Anne Juren: Magical: The Kitchen, 3. 8. 2015). Das Angebot ist riesig, die Inhalte sehr unterschiedlich, und nicht einmal die Organisatoren wissen im Vorhinein immer ganz genau, was z.B. bei den heuer wieder etwa 30 Uraufführungen so auf der Bühne passieren wird.

"Es gibt immer Sachen, die das Publikum vor den Kopf stoßen. Da denken sich dann viele: ‚Um Gottes Willen, was war denn das jetzt?‘", lacht Workshop-Mastermind Rio Rutzinger. Aber das sei auch in Ordnung. Nicht immer kann jedes Experiment funktionieren. "Was nicht heißen soll, dass man zu blöd dafür ist."

So sei das halt beim modernen Tanz, einer Kunst, die sich nach allen Richtungen als offen versteht. Und dann versteht man eben womöglich einmal nicht alles. Was auch nicht weiter tragisch ist. "Man sollte sich halt nicht zu viel Narratives erwarten", empfiehlt er. Und immerhin hätte man nach den Performances auf jeden Fall etwas, worüber man mit anderen reden könne. Socializing ist auch wichtig bei Impulstanz – aber dazu gleich mehr.

Begegnungen
Offenheit hat sich Impulstanz also definitiv auf seine Fahnen geschrieben, und das immerhin schon das 32. Jahr: Da treffen Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kultur, Altersgruppen und Beweglichkeiten aufeinander: 400 bis 500 Künstler, 3000 Workshop-Besucher und 20.000 bis 35.000 Besucher der Performances – soweit die beeindruckenden Zahlen. Überschneidungen gibt es natürlich.

Zwischenmenschliche Begegnungen sind also ein wichtiger Punkt: zwischen den Künstlern, aber auch zwischen Profis und Amateuren, Neulingen und erfahrenen Mitstreitern, Performern und Besuchern. Es menschelt in jeglicher Hinsicht, und das findet Rutzinger spannend, deswegen ist er immerhin schon seit 24 Jahren dabei: "Wir arbeiten das ganze Jahr über am Festival, das ist nicht immer nur lustig. Aber der Sommer ist für mich immer wieder ein guter Grund weiterzumachen. Ich bin da völlig egoistisch, ich will halt interessante Menschen treffen, deswegen mache ich das!"

 Offen für alle(s)

Die Workshops kommen weitgehend ohne Zitronen oder andere Performance-Kunstgriffe aus, verstehen sich als offene Kurse zum Hineinschnuppern, Vertiefen, Ausprobieren, vor allem aber zum Mitmachen. Ziel dabei: Die Hemmschwelle zum Tanz soll niedrig sein, die Hierarchien flach. Bewegung für jedermann – und jede Frau, für Kinder und ältere Semester, Profis und Neulinge, Bewegliche und sogar Gehandicapte ("Mixed Abilities") dürfen da mitmachen.