Eine Frau liegt nackt auf dem Rücken. In den nach oben gereckten Händen ein Apfel, auf dem Fuß ein schwarzer Vogel. Mit der Betrachtung dieses Details setzt die Performance "Hieronymus Bosch: The Garden of Earthly Delights" von der Compagnie Marie Chouinard ein. Im Rahmen des Impulstanz-Festivals wird das Stück, das erst vor kurzem seine Uraufführung in den Niederlanden hatte, im Volkstheater gezeigt. Zehn Tänzer arbeiten dabei an einer theatralen Umsetzung des berühmten Triptychons, das der niederländische Maler Bosch um 1500 schuf.

Genau wie das Ausgangswerk gliedert sich die Arbeit der kanadischen Choreografin Chouinard in drei Teile. Am Beginn steht die Mitteltafel, das himmlische Paradies. An der Rückwand der Bühne ist dieses als ganze Ansicht zu sehen, an den beiden Seitenflächen erscheint das jeweils aktuell verhandelte Detail. Die Tänzerinnen und Tänzer, mit beigen Unterhosen, Knieschonern und viel weißem Puder bekleidet, nehmen Posen der gemalten Figuren ein, variieren diese und entwickeln daraus Gruppenchoreografien. Die bildgetreue Übersetzung der nackten gemalten Körper auf dem Triptychon durch die realen Körper auf der Bühne schmeckt nach Nummernshow, absatzlos wird von Detail zu Detail gegangen.

Die Hölle der
hochfunktionalen Cyborgs


Eine freiere Interpretation stellt der zweite Teil dar. Dieser wendet sich dem rechten Flügel zu - der Darstellung der Hölle. Die Musik von Louis Dufort wird weniger melodisch, dafür lauter. Auch im Visuellen ist alles auf Horrorszenario ausgerichtet. Immer weitere Objekte werden von den Tänzern auf die Bühne gebracht und entgegen ihrer Funktionsweisen verwendet. So landet ein Gummistiefel auf dem Kopf und zwei Alphörner dienen als erweiterte Arme. Solche Prothesen spielen in den Arbeiten Chouinards oft eine Rolle und geben den Performern das Aussehen von hochfunktionalen Cyborgs.

Im dritten Teil schließlich, der Darstellung des Garten Eden, konzentriert sich die Choreografie auf die Darstellung von Adam, Eva und Gott in der Gestalt Jesus’. Zum ersten Mal spielt da Bekleidung eine Rolle. Ein rosafarbenes Tuch markiert den jeweiligen Träger als Jesus. Aber auch ohne Tuch werden die Gesten unter den Tänzern weiter gereicht, werden die Handhaltungen immer wieder neu zusammengesetzt. Im Ganzen: eine bildgenaue Umsetzung eines Werkes der bildenden Kunst auf der Bühne.

Performance

Marie Chouinard: Hieronymus Bosch: Der Garten der Lüste

Volkstheater/Impulstanz

Wh. am 10. August