Wien. Zwei junge Performer stehen eng umschlungen, eingehüllt von einer Latexhülle. Sie klebt fest an ihnen, lässt keinen Bewegungsspielraum zu. Selbst dem Zuschauer bleibt die Luft weg. Erst nach und nach gelingt es ihnen, sich voneinander zu lösen. Die beiden schnappen nach Luft. "Oxygen", Sauerstoff, nennt Ismael Ivo die Performance, die er mit jungen Tänzern erarbeitet hat und die sich als der Höhepunkt der Workshopshowings des Impulstanz-Festivals präsentiert.

Seit 2013 coacht der Festival-Mitbegründer und seit Juli künstlerische Leiter der renommierten Ballettkompagnie Balé da Cidade de Sao Paulo (Brasilien) unter der Projektbezeichnung Biblioteca do corpo junge Tänzer. Thematisch wagt er sich - als einer der wenigen Tanzschaffenden - an politisch relevante Themen: 2016 stand die Flüchtlingswelle über das Meer im Vordergrund, heuer das Pariser Abkommen gegen Klimawandel und CO2-Emissionen. Das verbindet er inszenatorisch mit dem griechischen Mythos von Ikarus.

Dramaturgisch geht diese Verknüpfung durchaus auf, die Inszenierung mit teils barocker überbordender Musik und Sound-Collagen, die sich aufs Ein- und Ausatmen konzentrieren, verstärken dies. Ebenso wie die raffinierte Lichtregie, die teils von den Tänzern und der Präsentation ihres Könnens ablenkt. Aber das schadet nicht: Die eng am klassischen Ballett orientierten Schrittfolgen zeigen sehr klar die Aus- und Vorbildung der einzelnen Performer, wenige stechen hier hervor, die mit Präsenz und Technik punkten können.

Prinzipiell ist Ivo aber ein harmonisches Ensemble geglückt, das das Publikum mit Bewegungen, die an Windräder erinnern und endlich die Luft in der stickigen Halle des Arsenals bewegen, in den Abend entlässt.