Man stelle sich vor: Es gibt eine Dance-Clinic, also ein Tanz-Gesundheitszentrum, in dem Choreografen sich kurieren lassen können. Heilung für künstlerische Defizite sozusagen, die dem Erfolg im Weg stehen. Per Wissenschaft und Technologie natürlich, Kunst der Kunst wegen ist hier kein Thema. Man könne sogar helfen, die Anzahl der Choreografen weltweit zu reduzieren. Schallendes Gelächter.

Der aus Singapur stammende und in Berlin lebende Choreograf Choy Ka Fai zeigt im Rahmen des zurzeit stattfindenden Impulstanz-Festivals "Dance Clinic" als satirische Verkaufsveranstaltung mit Power-Point-Präsentation von Gehirnwellen. Doctor Choy hat für seine Tanzpatienten und deren Analyse ihrer Mankos Studien betrieben, die auf einer Videowall allerlei bunte Balkendiagramme und Kurven berühmter Choreografien von Wigman, Forsythe oder Bausch und deren Rezeption beim Publikum zeigen. Mit deren Erkenntnis wird nun geholfen. Patient Z: Florentina Holzinger etwa, die mit ihrem Stück "Schönheitsabend" die Frage nach Kunst oder Pornografie beantwortet bekommen soll. Das Ergebnis ist lapidar: weniger Drama. Auch bei zwei weiteren Patienten ist die Analyse ziemlich banal. Choy Ka Fais Konzept stolpert nicht über die Idee, sondern bei der Umsetzung des Konzepts.