Es ist wahrlich ein Kontrast: Melodien aus dem Spanien des 16. und 17. Jahrhunderts, gespielt von einer Liveband, dazu vier simple Prospekte, die im Lauf des Abends hochgezogen werden, um neue Bilder zu schaffen, und Spitzenschuhe, Stelzen sowie folkloristische Kostüme, aber mit modernem Touch. Diesmal gibt es keine wimmernde Geräuschkulisse oder nackte Performer - wie so oft bei Impulstanz. Mit "Romances inciertos, un autre Orlando" widmet sich der französische Choreograf François Chaignaud poetischen Figuren in drei Szenen en travestie.

Er tanzt und singt La Doncella Guerra in einer angedeuteten spanischen Rüstung. Sie ist ein junges Mädchen, das als Soldat verkleidet in den Krieg zieht. Dementsprechend weich, aber auch bestimmt sind seine Bewegungen, die oftmals Zitate aus dem klassischen Ballett ebenso zeigen wie zeitgenössische Auflösungen eben dieser. In der zweiten Szene wird er zum Heiligen Michael: Auf Stelzen ganz und gar eins mit seiner Figur trippelt er über die Bühne des Volkstheaters, um dann mit Spitzenschuhen grazil aber technisch formunschön seiner Figur Leichtigkeit zu verleihen. Aus dem Zuschauerraum kommend ist Chaignaud dann die Andalusierin Tara, die sich in Peeptoe-Stöckelschuhen und dem Flamenco entnommenen Bewegungen teils sehr weiblich, dann wiederum sehr männlich verausgabt. Begleitet von vier Musikern auf Bandoneon, Viola da Gamba, Barockgitarre und Schlagzeug wird man in eine Kunstwelt entführt, in der das gesungene Wort, die Musik und der Tanz das Heute mit der Vergangenheit verschmelzen lassen.

Überflüssige Sprache

Chris Haring in den Hofstallungen hinter dem Mumok hingegen rüstet seine Performer mit iPods und Bluetooth-Lautsprechern auf, aus denen im Lauf des Abends unterschiedliche Sprachen, Slangs und Töne erklingen werden - oft bewusst unverständlich.

In seiner Performance-Reihe "Foreign Tongues" widmet er sich mit "Babylon (Slang)" der Sprachverwirrung Gottes im Turmbau zu Babel: Er nimmt diesen symbolhaft auf in Form einer Ansammlung seiner Performer, die gen Himmel streben. Doch zuerst startet die Performance im Hof: In schwarzer Kleidung wird Sprache mit Bewegung koordiniert, das Stimmengewirr findet vom Einzelperformer bald zum Kollektiv zusammen, schafft sich seinen Weg - fast schon bedrohlich fordernd - durch die Zuschauermenge. In den Stallungen werden die schwarzen Menschskulpturen dann zu Wesen in unverständlichen Streitgesprächen oder auch Kinderliedern. Haring spielt hier einmal mehr mit Tempi, rückt somit der Skurrilität näher. Die Performer bewegen sich zwischen den Zusehern, sie suchen Augenkontakt und sprechen diese auch an. Haring macht deutlich, dass Bewegung die Sprache eigentlich obsolet macht.