Die ÖBB hat eine neue App. Man kann nun endlich in einem Programm Fahrpläne lesen und speichern sowie Karten bestellen, wozu man bislang von Scotty zu ÖBB Tickets wechseln musste.

Damit ist eigentlich alles Positive über das neue Produkt der Eisenbahner gesagt. Schon vor der Installation wird dem Anwender mitgeteilt, dass beim Umstieg das vorhandene Archiv verloren geht. Abgesehen davon, dass es Anwender geben soll, die das Archiv für Kostenabrechnungen und Statistiken herangezogen haben: Ein normaler Online-Händler würde sich wohl eher einen Finger abschneiden lassen, als Kundendaten zu vernichten.

Auch vom technischen Standpunkt kann man sich nur wundern. SQL ist seit 1987 ein international anerkannter Standard und liegt heute praktisch allen Datenbanken zugrunde. Eine Überführung der Daten von einem System in ein anderes sollte also kein allzu großes Problem darstellen.

Geringer Nutzen

Reisenden, die beruflich unterwegs sind, bietet aber auch die neue Anwendung nichts von Belang: Export nach Excel oder in eine Datenbak, PDF-Erzeugung der Belege zu einem beliebigen Zeitpunkt, Statistiken? Alles nicht möglich.

 Im Praxistest zeigte die App nicht einmal ein frisch auf oebb.at gebuchtes Ticket auf dem Handy. Es musste also wie anno dunnemals gedruckt dem Schaffner präsentiert werden.

Die Erklärung für dieses unliebsame Verhalten möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: "Es gilt zu unterscheiden, ob Sie im Internet ein Ticket auf der neuen Web Applikation (tickets.oebb.at) buchen, oder über die alte Buchungsplattform (ticketing.oebb.at). Leider ist es nicht möglich, Tickets die in der alten Buchungsplattform gebucht wurden, auf die neue Applikation zu übertragen, da diese nicht kompatibel sind. Ebenso können auch Tickets aus der neuen App nicht im alten Buchungssystem angezeigt werden."

Es ist somit ein Fehler des Kunden, wenn er Fahrkarten dort kauft, wohin ihn die ÖBB-Website schickt. Völlig einleuchtend. Vielleicht sollte die Bahn doch wieder eine zweite App entwickelnSie könnte darstellen, was das Buchungssystem der österreichischen Bahn von allen anderen Systemen auf der Welt unterscheidet. Alternativ könnte man Schulungen am Hauptbahnhof veranstalten.

 Verrisse in den Stores

 Die Bewertungen im Google Store und im Apple App Store teilen sich weitgehend in absolute Verrisse wie "Absoluter Ramsch!" oder "Vorteilscard verschwunden" und kurze Bejubelungen der Art "Spitzen APP!". Das nährt den Verdacht, dass Bahn oder Programmierer versuchen, ein bisschen nachzuhelfen...