Irans geistlicher Führer Khamenei besucht das Mausoleum von Revolutionsvater Khomeini. - © abna
Irans geistlicher Führer Khamenei besucht das Mausoleum von Revolutionsvater Khomeini. - © abna

Paris/Teheran/Wien. Massenkundgebungen, Militärparaden, Durchhalteparolen und "Tod Amerika"- und "Tod Israel"-Rufe: Im Iran beginnen heute die elf Tage andauernden Feierlichkeiten zum 34. Jahrestag der Islamischen Revolution. Doch das Medienspektakel kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass 2012 das mit Abstand schwierigste in der Geschichte des schiitischen Gottesstaates gewesen ist. Khomeinis Erben stehen vor einem wirtschaftlichen Scherbenhaufen, da Teheran aufgrund seines umstrittenen Atomprogramms international immer stärker isoliert wird. Durch die westlichen Wirtschaftssanktionen, darunter ein Öl- und Gasembargo der EU, hat die iranische Führung mit herben Einbrüchen ihrer Exporte zu kämpfen.

Schon im Herbst hatte die iranische Regierung Ausgabenkürzungen angekündigt. "Wir stehen unter Druck, was den Haushalt angeht", gab Präsident Mahmoud Ahmadinejad zu. Manche Haushaltsposten seien um ein Viertel gekürzt oder gar gestrichen worden, ergänzte er.

Doch seit damals gehen die Ölexporte rasant zurück, eine Talfahrt, die die Islamische Republik vor große Probleme stellt. Wenn selbst Ölminister Rostam Ghassemi vor dem Parlament (Majles) offen zugeben muss, dass die Ölexporte in den vergangenen neun Monaten um 45 Prozent zurückgegangen sind und auch im ersten Quartal 2013 ein deutlicher Rückgang zu erwarten sei, dann brennt der Hut: Seine Angaben können als Bestätigung dafür gesehen werden, dass dem Iran die internationalen Sanktionen weitaus mehr zusetzen, als man bisher bereit war zuzugeben.

Rial bricht ein

Wie die Organisation erdölexportierender Länder und die Internationale Energieagentur melden, hatte der Iran zu Beginn des Jahres 2012 noch zwischen 2,1 und 2,4 Millionen Barrel Öl pro Tag exportiert. Diese Menge lag zwölf Monate später bei nur noch rund 1,0 bis 1,3 Millionen Barrel täglich. Die Strafmaßnahmen haben auch zu einem Einbruch der Landeswährung Rial geführt. Das iranische Parlament deutete im Kampf dagegen stärkere staatliche Kontrollen an. Wie wichtig das Öl und die Einnahmen daraus sind, zeigt auch die Tatsache, dass der iranische Staatshaushalt zu zwei Drittel von den Öl-Einnahmen abhängig ist.

Irans zweitmächtigster Mann, der Chef des Schlichtungsrates und Expräsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani, rief die Führungsriege zur Einheit auf und forderte von allen politischen Führungskräften, "für das Wohl der Bevölkerung zu arbeiten". "Ich warne davor, nicht auf die Stimme des Volkes zu hören. Wir müssen uns wieder vermehrt den Grundsätzen der Islamischen Revolution und vor allem jenen von Revolutionsvater Khomeini widmen. Nur gemeinsam können wir die Probleme des Landes lösen und uns gegen die ungerechten Aktionen unserer Feinde wehren. Unterdrückung und Starrköpfigkeit Einzelner eignen sich nicht als Lösungsstrategien", so Rafsanjani.

Rafsanjani weiß, dass am 14. Juni für die Zukunft des Landes entscheidende Präsidentschaftswahlen anstehen, bei dem sein größter Widersacher, Amtsinhaber Mahmoud Ahmadinejad, nicht mehr antreten darf.

Nach den Massenprotesten in Zusammenhang mit seiner umstrittenen Wiederwahl 2009 hofft die Führungselite nun auf einen "reibungslosen" Wahlgang und einen Kandidaten, der innerhalb aller politischen Lager Ansehen genießt. Immer wieder fallen hierbei zwei Namen: Ali Akbar Velayati, langjähriger Außenminister und engster Vertrauter Khameneis, und Ali Larijani, der als Parlamentspräsident auch als harter Kritiker Ahmadinejads gilt. Rafsanjani selbst wird - wieder einmal - im Hintergrund die Fäden ziehen.

In den iranischen Medien ist von diesem Wirtschaftskollaps (noch) keine Rede. Sie haben von Khamenei einen Maulkorb verpasst bekommen. Doch die Menschen spüren die Auswirkungen der Inflation - offiziell liegt diese bei rund 25, geschätzt aber bei rund 29 Prozent - und der Arbeitslosigkeit - die offiziell 17 Prozent beträgt und tatsächlich bei 35 Prozent liegen dürfte - bereits sehr deutlich im Alltag.