Bereits im Dezember 2014 stellte der mittlerweile getötete Sprecher Mohammed al-Adnani, die Weichen für eine Neuausrichtung des IS. "Bleibt in euren Heimatländern. Greift von dort aus an, kommt nicht mehr zu uns", lautete seine damalige Nachricht.

Besorgniserregend ist zudem, dass sich die Angriffe nicht nur häufen, sondern dass der mutmaßliche Attentäter von Barcelona, der 18-jährige Moussa Oukabir, kein Einzeltäter war, der nur über Internet-Botschaften radikalisiert wurde, sondern Teil einer mindestens zehnköpfigen Zellenstruktur war.

Dies könnte darauf hinweisen, dass sich außerhalb des Kerngebiets neue Hochburgen mit eigenen Strukturen bilden. Bereits 2014 gab es Hinweise, dass IS-Sprecher al-Adnani dabei war, eine europäische Struktur aufzubauen - dies vor allem, um "Racheakte" bei einem möglichen Zusammenbruch des Staates in Nahost vorzubereiten.

Noch ist es aber nicht so weit. In dem Bekennerbrief stellte der IS über seine Website "Amaq" auch einen klaren Bezug zu den Angriffen auf die Terrormiliz her. So wird als Grund für das Anschlagsziel Spaniens Beteiligung an der internationalen Militär-Koalition genannt, die mit Luftschlägen gegen den IS in Syrien und dem Irak vorgeht.

Die Rückkehrer als große Gefahr

Mit dem Führer der Gruppe, Abu Bakr al-Baghdadi, haben sich schon vor Wochen die hochrangigen IS-Kader in abgelegene Regionen entlang des syrisch-irakischen Grenzgebiets zurückgezogen. Mehrere ranghohe Kommandanten konnten mit gezielten Raketentreffern getötet werden; von den Kämpfern dürfte noch höchstens ein Drittel am Leben sein.

"Die Kommandostrukturen sind aber noch intakt", hieß es in einem Bericht, den am 7. August UN-Experten dem UN-Sicherheitsrat vorlegten. Gewarnt wurde in dem Bericht auch von der Gefahr, dass die Gruppe nach wie vor in der Lage sei, Anschläge im Ausland zu verübten.

Gleichzeitigen werden in dem Bericht Bedenken von Experten zitiert, dass Rückkehrer aus dem Nahen Osten in Europa nun zu einer weiteren Gefahrenquelle werden können. Mindestens 5000 meist junge Europäer haben sich als ausländische Kämpfer dem IS angeschlossen. "Es gibt Hinweise darauf, dass einige, die jetzt zurückgekehrt sind, mit klaren Anweisungen in ihre Heimat kommen: Sie sollen bislang Unverdächtige anwerben und sie zu Attentaten anstiften."

Ein militärisches Ende des IS im Syrien und dem Irak ist deshalb nur begrenzt eine gute Nachricht. Das Ende des IS, wie die Welt ihn seit 2014 kennt und fürchtet, könnte der Anfang einer neuen - möglicherweise noch gefährlicheren - Metamorphose der Gruppe sein.