"Keiner sucht sich das aus", sagt Phoenix, eine Grazerin, die in der Zeitung lieber diesen symbolisch passend selbst gewählten Namen anstelle ihres echten lesen will. "Wir sind keine Sozialschmarotzer. Jeder versucht, alles zu tun, um eine Arbeit zu finden, jeder will ein gutes Leben, jeder will Sicherheit haben. Und dann hörst du, wenn du die Arbeit verlierst: ‚Du bist eh nur ein Tachinierer, du bist faul, weil wer arbeiten will, findet eine Arbeit.‘ Nein, so stimmt das nicht. Es gibt zu wenige offene, gute Stellen, zu viele, die arbeitslos sind."

Phoenix weiß, wovon sie spricht: Nach einem Burnout hat sie erst ihren Job bei einem Callcenter, den sie über eine Leiharbeitsfirma hatte, verloren, dann auch noch die Wohnung. Sie kämpft nun für zwei Dinge: ihre eigene Situation zu verbessern und sich wie der mythologische Vogel aus der Asche zu erheben. Sie kämpft aber auch für ein realistisches Bild von Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdeten - und zwar als Vertreterin der Plattform "Sichtbar werden" gemeinsam mit der steirischen Arbeitsloseninitiative Amsel und der Grazer Werkstatt für Theater und Soziokultur InterAct.

Schließlich steht Phoenix mit ihren Problemen nicht alleine da: Laut EU-Silc-Erhebung sind 1,5 Millionen Menschen in Österreich armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. "Um zu verhindern, dass sie in Armut abrutschen, müsste man die Risiken eindämmen", sagt der Armutsforscher und stellvertretende Direktor der Diakonie, Martin Schenk. Er, Phoenix und andere Experten erklären, was die Regierung 2020 gegen Risiken wie hohe Wohnkosten, prekäre Arbeit und für psychisch Erkrankte tun könnte.

Arbeitsdruck, geringe Bezahlung, prekäre Jobs

In Armut abrutschen kann jeder. Bei Phoenix kam es so: Auf Wunsch der Mutter musste sie erst eine Lehre im Handel machen und nicht die Matura, wie sie selber wollte, danach arbeitete sie in der Gastronomie. Probleme mit dem Knie und mit Allergien führten sie über eine Leiharbeitsfirma ins Callcenter, einen Vollzeit-Brotjob, den sie mit Theaterarbeit bei InterAct ergänzte, weil ihr das politische Engagement wichtig war: "Also habe ich in Summe 60 Stunden die Woche gearbeitet."

Es war aber nicht nur die Arbeitszeit alleine, die Phoenix belastete: "Die Arbeit im Callcenter wurde immer mehr zum Bullshit-Job. Am Anfang wurde noch auf Kundenservice Wert gelegt. Dann aber hattest du nur noch 230 Sekunden pro Anruf. Wenn du länger gebraucht hast, wurdest du sofort gefragt: ‚Warum das?‘" Sie konnte nicht mehr durchschlafen, dann wechselte die Leiharbeitsfirma hinter dem Job. Sie konnte keinen Urlaub machen, hatte zu wenig Erholung: "Das hat mich ins Burnout, dann in eine Depression geführt."