Das Internet, wie wir es kennen, nähert sich seinem Ende. Man kann es nicht mehr verleugnen. Innovationen gibt es keine mehr, einzig die neuen Höchstgeschwindigkeiten bei der Datenübertragung. Und das kostet. In Zukunft werden Kühlschränke miteinander kommunizieren, soll so sein, aber was machen die Menschen? Die Gratis-Kultur pfeift aus dem letzten Loch, und wer Musik, Filme, Büroprogramm und Spiele nutzen will, zahlt Abo-Gebühren. Kostet ja nur 9,99 Euro. Aber die Cloud- und Streamingdienste läppern sich ganz schön zusammen. Datenschutz ist eine leere Hülle, denn längst haben alle Anbieter schon ihre gläsernen Kunden, und bald werden Banken, Versicherungen und Krankenkassen auch noch für einige Aufregungen sorgen, wenn man den möglichen Datenaustausch nicht gesetzlich unterbindet. Ist alles verloren?

Das Ende der Überwachung ist nicht in Sicht, aber Verbesserungen. - © WZ-Collage, Foto: unsplash/Matthew Henry
Das Ende der Überwachung ist nicht in Sicht, aber Verbesserungen. - © WZ-Collage, Foto: unsplash/Matthew Henry

Mitnichten. Zumindest wenn es nach den technikaffinen Vordenkern geht. Nach deren Meinung wird die Blockchain für Transaktionen nämlich das, was das Internet einmal für die Information war. Und noch viel mehr - denn die Nutzer sollen nicht nur ihre Rechtsgeschäfte und Transaktionen ohne "Mittelsmänner" abschließen können, nein, sie werden auch wieder die Hoheit über ihre Daten erlangen.

"Derzeit steckt die Blockchain-Technologie noch in den Kinderschuhen. Ähnlich wie bei den Anfängen des Internets gibt es noch zahlreiche Probleme. Die Anwendungsfreundlichkeit ist noch nicht gegeben, Blockchain-Datentransfer ist noch sehr langsam und relativ teuer", sagt Robert Schwertner, Experte für Blockchain-Technologie. "Positiv ist, dass mehr über den Umgang mit persönlichen Daten nachgedacht wird. Denn derzeit hören wir regelmäßig in den Nachrichten, dass Daten gestohlen wurden, dass Server gehackt wurden. Damit ist im Blockchain-Zeitalter Schluss. Blockchain bringt einen Quantensprung an Sicherheit, das kann man schon sagen. Wir werden zukünftig ein sichereres Internet haben. Daten werden dann viel besser geschützt sein. Ich will nämlich nicht, dass meine Bank meine Transaktionsdaten an Dritte verkauft - so wie dies derzeit der Fall ist - oder dass meine Krankenversicherung meine Gesundheitsdaten weitergibt."

Die Vorteile der Blockchain im Vergleich zum Internet: Transparenz, Dezentralisierung, Unveränderlichkeit, einfaches Nachverfolgen von Informationen, Sicherheit von Daten, Peer-to-Peer-Interaktion und keine Störung durch Dritte. "Das Internet hat eine ganz große Stärke: Man kann sehr einfach Informationen auf Endgeräte wie Computer und Smartphones laden, das ist wunderbar und tatsächlich eine Revolution, die in den 1990ern begann. Plötzlich stand uns eine unglaubliche Menge an Informationen zur Verfügung", so Schwertner.

Das Internet hat jedoch eine entscheidende Schwäche: "Man kann keine Werte, also Geld oder auch Unterschriften, Identität und Ähnliches übertragen. Dazu braucht es immer noch Banken, die einen Transfer garantieren, oder eine staatliche Stelle, die bestätigt, dass ich der Herr Robert Schwertner bin. Und das könnte sich durch Blockchain ändern: Hier wird es möglich, Werte und auch Identität direkt über das Internet zu übertragen. Und die Blockchain-Technologie kann dazu führen, dass man zum Beispiel nicht mehr Papierscheine und Kupfermünzen im Geldbörserl herumtragen muss, und es könnte auch den guten alten Reisepass in Buchform ersetzen." Die Zukunft könnte also durchaus rosiger werden. Auch wenn es noch einige Zeit dauern wird.

Auch die Blockchain wird nicht ohne Datenschutz-Maßnahmen auskommen können. Selbst wenn die "Mittelsmänner" wegfallen, rechnen Experten mit der Notwendigkeit zentraler Schnittstellen. Für datenschutzsensible Anwendungen ist die Blockchain-Technologie immer nur so gut wie die darauf aufbauenden Use Cases und Anwendungen.