Wien. Über das Jahr verteilt, merkt man an der Menge des Niederschlags den Klimawandel eigentlich nicht. Diese bleibt laut Michael Staudinger, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, relativ gleich. Was zugenommen habe, sei aber die Anzahl der Wetterextreme wie Dürre und Überschwemmungen. Und das sei ein Riesenproblem - für die Landwirtschaft und den Wald, aber auch für die Trinkwasserversorger und die Stromerzeuger.

Die Landwirte leiden je nach Region unterschiedlich unter den Wetterextremen, sagt Josef Siffert von der Landwirtschaftskammer Österreich. Gibt es in Nieder- und Oberösterreich immer länger andauernde Trockenperioden, haben die südliche Steiermark, Kärnten und das südliche Burgenland mit nicht enden wollenden Überschwemmungen zu kämpfen. "Die Wetterperioden verlängern sich", sagt Siffert zur "Wiener Zeitung".

Ernteausfälle bei Erdäpfeln

Vor allem in Zeiten der Dürre sei nicht allein das fehlende Wasser selbst das Problem. Bei der vergangenen Ernte habe es zum Beispiel bei den Erdäpfeln massive Ernteausfälle gegeben, weil der Drahtwurm diese durchlöchert habe, so Siffert. Der Drahtwurm ist eigentlich eine Larve, und zwar von Käfern aus der Familie der Schnellkäfer. Auf der Suche nach einer Feuchtigkeitsquelle im ausgetrockneten Boden bohrt er sich in die Erdäpfel: Im Vorjahr mussten die Landwirte laut Siffert dadurch Erdäpfel für 2,4 Millionen Menschen wegwerfen. Den Rest konnte man freilich auch nicht teurer verkaufen. "Wir leben in einem offenen Markt", sagt Siffert. Der Anteil der Erdäpfel aus Österreich am europäischen Markt liege bei zwei Prozent. "Das ist weniger als die Schwankungsbreite."

Was der Drahtwurm für die Landwirte ist, ist für die Forstwirte der hitze- und trockenheitsliebende Borkenkäfer. Er durchbohrt das Fichtenholz und vernichtete im Vorjahr laut Umweltministerium 3,5 Millionen Tonnen. Eschen wiederum werden aufgrund des Trockenstresses anfälliger für das falsche weiße Stengelbecherchen, ein Pilz.

Der Gesamtschaden für die Landwirtschaft steige und sei in fünf der vergangenen sechs Jahre jenseits der 200 Millionen Euro gelegen, sagt Mario Winkler von der Hagelversicherung. Im Vorjahr waren es 270 Millionen Euro - 230 Millionen davon allein durch die Trockenheit bedingt.

Für die Hagelversicherung bedeuten die wachsenden Schäden gleichzeitig eine "wachsende Bereitschaft, eine Versicherung abzuschließen", sagt Winkler. Die Durchversicherung im Hagelbereich liege bereits bei 85 Prozent, in den restlichen Sparten wie Frost, Dürre, Sturm und Überschwemmungen bei 65 bis 70 Prozent.