Kohlendioxid ist ein langlebiges Gas. In der Atmosphäre tummeln sich CO2-Teile, die schon von unseren Urgroßeltern emittiert wurden. Laut dem Weltklimarat IPCC hat die Erde insgesamt ein Budget von 2900 Gigatonnen CO2 zur Verfügung, damit die Grenze der Erderwärmung von zwei Grad Celsius mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird. Hohe Wahrscheinlichkeit heißt in diesem Fall: zumindest 66 Prozent.

Jahr für Jahr nähert sich der Planet dieser Grenzmenge. Bis zum Jahr 2011 waren 1900 Gigatonnen verbraucht, fünf Jahre später weitere 200 Gigatonnen. Jüngste Berechnungen des Weltklimarates gehen aktuell von einem Restbudget von etwa 500 Gigatonnen (oder 500 Milliarden Tonnen) aus. Viel Zeit bleibt also nicht. Das Ziel ist aber klar: Es darf weltweit ab 2050 praktisch kein CO2 emittiert werden, damit die große Katastrophe ausbleibt und die Erderwärmung mit zwei Grad Celsius begrenzt werden kann. (Das 1,5-Grad-Ziel ist fast unmöglich geworden.)

- © WZ-Grafik: mozi/Redaktion: Simon Rosner
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Doch wie sieht der Weg zum Ziel aus? Von heute auf morgen kann kein Land auf Null-Emissionen umstellen, das kann nur über Jahre geschehen. Die Rede ist hier vom "Carbon Management". Es geht darum, die verbleibende Menge an CO2 möglichst produktiv zum Ausstieg zu nutzen. Nur ein Beispiel: Ein Gaskraftwerk stößt zwar ebenso wie ein Kohlekraftwerk Kohlendioxid aus, aber deutlich weniger, um dieselbe Menge Strom zu produzieren. Gas könnte also beim Übergang hilfreich sein, langfristig aber nicht.

Zieht man nun die etwa 500 Milliarden Tonnen CO2 heran, die global noch emittiert werden dürften, ließe sich jedem Land eine bestimmte Menge zuordnen. Mit diesem Kontingent könnten die Länder planen und den Umstieg "managen". Doch die Frage ist: Wie rechnet man? Pro Kopf oder gemessen am jetzigen Ausstoß? Ist jedes Land gleich zu behandeln? Sollen reichere Länder mehr beitragen, weil sie es sich eher leisten können?

Jedes Land meldete
eigenen Weg zum Ziel

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Es sind praktische wie ethische Fragen, die hier aufgeworfen werden. Eine Antwort, auf die sich alle Nationen einigen konnten, gibt es bisher nicht. Deshalb wurde bei der Klimakonferenz in Paris von dieser Strategie Abstand genommen und ein Bottom-up-Ansatz gewählt. In Paris meldete jedes Land einen eigenen Weg zum gemeinsamen Ziel. Das Problem dabei: Rechnet man den kumulierten Rest-Verbrauch aller Länder zusammen, würde man deutlich über den angepeilten 2900 Gigatonnen CO2 landen, die die Erwärmung begrenzen.

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Der Hauptgrund für den Dissens ist die ungleiche Verteilung der historischen Emissionen. Die Industrieländer haben sich über mehr als ein Jahrhundert auch dank eines schier unbegrenzten CO2-Ausstoßes einen Wohlstand erworben, den Schwellenländer gerade erst anstreben - mit einem ähnlichen Ressourcenverbrauch. China ist vor etwas mehr als zehn Jahren zum größten Emittenten der Welt aufgestiegen und hat die USA abgelöst. Chinas Beitrag zu den Gesamtemissionen liegt derzeit bei 27 Prozent, jener Österreichs bei nur 0,17 Prozent. Das ist für den Klimawandel eine fast schon vernachlässigbare Größe. Andererseits: Pro Kopf gerechnet, stößt die Volksrepublik weniger CO2 aus als Österreich.