- © WZ-Grafik: mozi/Redaktion: Simon Rosner
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Attribute der
Fairness berücksichtigen

Je stärker vergangene Emissionen eingerechnet werden, desto mehr verschiebt sich das noch verfügbare fiktive Kontingent pro Land in Richtung ärmerer Länder. Der Philosoph Lukas Meyer von der Universität Graz, der sich mit dieser ethischen Frage auseinandergesetzt hat, plädiert für eine Aufteilung, für deren Berechnung Attribute der Fairness berücksichtigt werden, und zwar die historische Verantwortung einerseits sowie das Sicherstellen von Grundbedürfnissen der Bevölkerung in der Phase der Dekarbonisierung andererseits. "Dann würden sich ganz andere Aufteilungen ergeben", sagt Meyer. Auch der Fokus auf die Sicherstellung von Grundbedürfnissen würde armen Ländern den Umstieg erleichtern.

Die Fairness ist das eine, die Machbarkeit etwas anderes. Auch die Forscher der Uni Graz konstatieren, dass langjährige Pro-Kopf-Großemittenten mit den Ergebnissen dieses Rechenmodells überfordert wären. Deutschland oder die USA hätten sogar ein Restbudget im negativen Bereich. Eine Lösung für dieses Problem könnte im Emissionsrechtehandel liegen. Länder wie Brasilien, das seinen CO2-Ausstoß seit 1990 verdoppelt hat, könnte auch anders zu Wohlstand gelangen, als den Regenwald für Landwirtschaft und Industrie zu zerstören: mit dem Verkauf von Emissionsrechten.

Je nach Berechnung bleiben Österreich zwischen 1000 und 1500 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente an Verbrauch. Zur besseren Einschätzung: Zwischen 1990 und 2015 hat Österreich 2000 Millionen Tonnen emittiert. Es muss also schnell etwas passieren. Nur was? Klar ist: Die dafür nötigen Investitionen sind enorm.

Um Entwicklungsländern den Umstieg zu erleichtern, wurde von der UNO der "Green Climate Fund" eingerichtet. Österreich beteiligt sich mit 30 Millionen Euro, ab dem Jahr 2020 sollen für Entwicklungsländer jährlich 100 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stehen.