Wien. Mehr Bäume braucht die Stadt, nicht nur zwecks Luftverbesserung (Stichwort CO2 und Photosynthese), sondern auch zur Kühlung - denn mehr Laub bedeutet auch ein angenehmeres Stadtklima. Doch für die zu erwartenden noch heißeren und noch trockeneren Sommer sind nicht alle heimischen Baumarten ausreichend gewappnet.

"Bis vor zehn Jahren hat man sicher die falschen Straßenbäume gepflanzt und war auch ein bisschen konservativ. Man hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt und den Klimawandel ignoriert", meint Thomas Amersberger. Der Kulturmanager und studierte Landschaftsökologe hat daheim im Burgenland einen Versuchsgarten mit Pflanzen aus aller Welt. Dort stehen auch Exoten wie der Paternosterbaum (auch Zedrachbaum genannt), der sich als erstaunlich winterhart erweist.

In Wien dominieren immer noch Ahorn, Linde und Esche den öffentlichen Raum. Dabei sei der Ahorn "bis auf die Auwälder und andere feuchte Plätze eigentlich nie für den Raum Wien geeignet" gewesen, meint Amersberger. In der Vergangenheit seien hier viele Fehler passiert: "Es wurden autochthone Pflanzen eingesetzt - man hat den Ahorn, der am Gürtel eingegangen ist, durch einen Ahorn ersetzt, statt trockenheitsverträgliche Bäume zu pflanzen." Das hatte auch mit der Grünbewegung in den 1970ern und 1980ern zu tun, meint Amersberger. "Die hat bei Nachpflanzungen nach dem verhinderten Kraftwerksbau in der Au den heimischen Ahorn forciert. In dieser Zeit ist er auch verstärkt in die Stadt gekommen, was ein ziemlicher Unsinn war. Da hat man Bäume gepflanzt, nach drei Jahren sind sie eingegangen, es wurden neue gesetzt, die wieder eingegangen sind. Ich habe damals dem Direktor der Wiener Stadtgärtner einen recht langen Brief geschrieben, und seine Antwort war eher ausweichend."

Zürgelbäume als Einspringer

Der Judasbaum ist ein idealer Parkbaum. - © Amersberger
Der Judasbaum ist ein idealer Parkbaum. - © Amersberger

Auch die heimische Esche ist nicht unbedingt für das Wiener Stadklima geeignet und wird oft von Pilzen befallen. "Sie ist auf eine halbwegs ausgeglichene Wasserversorgung angewiesen", erklärt Manfred Lexer vom Institut für Waldbau an der Boku Wien. "In längeren Trockenperioden geht es den Bäumen nicht gut, und das macht sie umso anfälliger für Sekundärkrankheiten und Schädlinge." Winter- und Sommerlinde wiederum werden im Trockenheitsstress von Spinnmilben befallen, deren Sekrete Autos, Fensterscheiben und Gehsteige verkleben. Und die Kastanie, ein klassischer Alleebaum, wäre an sich keine schlechte Wahl, hier ist allerdings die Miniermotte ein großes Problem.