Von all den Zeugen war sie die authentischste. Und von all den Zeugen hat sie es auf den Punkt gebracht: "Wir haben es einfach zur Kenntnis genommen, die Telekom war bei uns im Kabinett sehr präsent." So beschrieb die Kabinettsmitarbeiterin von Karin Gastinger den Moment, als ihr späterer Mann, Angeklagter Christoph Pöchinger, in der Sitzung erklärte, dass das Geld für den Persönlichkeitswahlkampf der BZÖ-Ministerin aus der Telekom kam.

Der Eindruck hat sich im U-Ausschuss aufgedrängt und nun durch die Prozesse verstärkt: Die Telekom hatte nicht nur die berühmte Bankomatfunktion für die Republik, es gehörte damals zum guten Ton, sich von Gernot Schieszler zum Hahnenkammrennen oder zur Rallye nach Zypern einladen zu lassen. Das soll keine Entschuldigung sein - immerhin hatten die Verantwortlichen in der Telekom noch so viel Unrechtsbewusstsein, dass sie Zahlungen mit Scheinrechnungen zu verschleiern trachteten. Dass jetzt in erster Linie schwarzblaue Funktionsträger ins Visier der Justiz geraten sind, mag mit der Goldgräberstimmung des regierungsungeübten Koalitionspartners zu tun haben. Andererseits haben regierungsgeübte Parteien wohl auch mehr Übung darin, Geld in komplexen Strukturen zu verstecken. Diese Frage wird im Valora-Verfahren erörtert.

Diese Altlasten werden das Graue Haus noch länger beschäftigen. Bleibt zu hoffen, dass sich das mit den verbesserten Anti-Korruptionsgesetzen ausschleift. Mit Blick auf das neue Parteienfinanzierungsgesetz sind Zweifel daran aber durchaus begründet.