Wien/London/Mountain View. Das Aufsehen war groß als die Google-Software AlphaGo 2016 den Spitzenspieler Lee Sedol im Brettspiel Go besiegte. Forscher, darunter ein österreichischer Informatiker, haben die Software nun unter dem Titel AlphaGo Zero entscheidend weiterentwickelt. Das System lernte das Spiel ohne menschliches Zutun und besiegte auch seine Vorgängerversionen, berichten die Forscher im Fachjournal "Nature".

AlphaGo hat sich heuer auch mit einem glatten 3:0-Sieg gegen den vermutlich weltbesten Go-Spieler Ke Jie durchgesetzt. An diesen Erfolgen wurde ersichtlich, wie weit die Entwicklung sogenannter Künstlicher Intelligenz (KI) bereits fortgeschritten ist. Das System stammt von der britischen Firma DeepMind, die vor mehr als drei Jahren vom US-Konzern Google übernommen wurde.

Besonders überraschend waren die Fähigkeiten von AlphaGo, weil das rund 3.000 Jahre alte asiatisch Spiel spezielle Anforderungen stellt, die bisher eher dem menschlichen Geist exklusiv zugebilligt wurden. Angesichts nahezu unbegrenzter Möglichkeiten für Züge, ist nämlich viel Intuition, kreatives Denken und Lernfähigkeit gefragt.

Während AlphaGo seinen virtuellen Geist noch am Studium von Millionen Zügen von menschlichen Top-Spielern über Monate hinweg gestärkt hatte, gingen die Wissenschafter um David Silver von DeepMind in London nun andere Wege: Im Zentrum der neuen Generation stand demnach der Gedanke, ein System zu bauen, welches das Spiel ohne Anschauungsmaterial von der Pike auf selbst erlernt und auf sich alleine gestellt weiterentwickelt - also "komplett ohne menschliche Intervention funktioniert", erklärte Silver.

Die Fähigkeit ein System dazu zu bringen, etwas annähernd von null auf zu erlernen, sei vor allem dann wichtig, wenn es darum geht, eine Form von KI zu entwickeln, die sich selbstständig auf für sie neue Aufgaben jeglicher Art einstellt. Am Ende strebe man die Entwicklung eines Algorithmus an, der potenziell auf jedes Problem angesetzt werden kann, so der Forscher, in dessen Team der 25-jährige Niederösterreicher Julian Schrittwieser mitgearbeitet hat. Der Softwareentwickler ist seit 2012 bei Google. Sein Engagement entwickelte sich direkt aus einem Praktikum, das er noch im Rahmen seines Studiums an der Technischen Universität (TU) Wien absolviert hat, wie er gegenüber der APA erklärte.

Nach der Übernahme von DeepMind durch Google wurde Schrittwieser durch einen Vortrag von Ko-Firmengründer Demis Hassabis auf AlphaGo aufmerksam. "Das hat mich dann so interessiert, dass ich zu DeepMind gewechselt bin", sagte Schrittwieser. Seine Expertise sowohl im Soft- und Hardware-Bereich als auch beim maschinellen Lernen habe auch zu der aktuellen Arbeit beigetragen, bei der Schrittwieser als einer der Hauptautoren fungiert.