• vom 15.02.2018, 12:43 Uhr

Künstliche Intelligenz

Update: 19.02.2018, 15:16 Uhr

Robophilosophy

"Ich hätte dem Roboter etwas Anderes sagen sollen"




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Von Gregor Kucera

  • Guy Standing sprach in Wien über das Prekariat und die Auswirkungen durch den Einsatz von Robotern.

Das Arbeitsleben der Zukunft muss wieder von den Menschen geprägt werden, nicht von den großen Konzernen, sagte Guy Standing bei seiner Keynote.

Das Arbeitsleben der Zukunft muss wieder von den Menschen geprägt werden, nicht von den großen Konzernen, sagte Guy Standing bei seiner Keynote.© Foto: Gregor Kucera Das Arbeitsleben der Zukunft muss wieder von den Menschen geprägt werden, nicht von den großen Konzernen, sagte Guy Standing bei seiner Keynote.© Foto: Gregor Kucera

Wien. Welche Auswirkungen hat der verstärkte Einsatz von Robotern auf die menschliche Arbeitswelt? Welche strukturellen Änderungen, aber auch Gesetzesänderungen müssen umgesetzt werden, damit eine Zusammenarbeit funktioniert? Und warum verdienen Entwicklerfirmen mit ihren Apps, die reine Mittelsmänner ohne echte Leistung sind, so viel Geld?

Nicht nur diese Fragen beantwortete Guy Standing bei seiner Eröffnungskeynote bei der Konferenz "Robophilosophy" in Wien. Die zweijährlich stattfindende Veranstaltungsreihe ist 2014 als erste auf diesem Gebiet vom internationalen Forschungsnetzwerk Transdisciplinary Studies in Social Robotics (TRANSOR) ins Leben gerufen worden. 2018 konzentriert sich die Konferenz auf philosophische Fragen, die durch die soziale Robotik in allen Bereichen der Philosophie zutage treten; unter anderem in der Ontologie, Metaphysik, Philosophie des Geistes, Epistemologie und der Ethik. In diesem Jahr war das Leitmotto "Envisioning Robots in Society".

Den Roboter tanzen lassen

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Zur Person

Guy Standing, FAcSS, ist ein britischer WIssenschafter und Professor für Development Studies an der School of Oriental and African Studies (SOAS) der University of London. Zudem ist er Mitbegründer des Basic Income Earth Network (BIEN).

Standings Eröffnungsrede trug den Titel "The Precariat in Platform Capitalism" und begann mit einer Geschichte: "Ein paar Google-Mitarbeiter haben mich in Mountain View (Firmenzentrale des Onlinekonzerns, Anm.d.Red.) in ein Labor geführt und mir einen Roboter gezeigt. Sie sagten, ich solle ihm sagen, dass er tanzen soll. Ich dachte, ich wäre besonders schlau, wenn ich zu ihm sage, mach Tai Chi." Doch der Roboter überraschte den Wissenschafter und gab eine perfekte Tai Chi-Bewegung zum Besten. "Dann zeigte er auf mich und sagte "Ich werde dem Prekariat die Jobs wegnehmen." Die Antwort von Standing: "Das werden wir noch sehen."

Standing ortet drei große Revolutionen auf den Menschen zukommen. Die technologische, die ideologische und die ökonomische. "Die großen Fünf - Alphabet, also Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft, sind die Titanen der globalen Ökonomie. In den letzten zehn Jahren haben sie 519 Unternehmen aufgekauft und eine monopolistische Struktur geschaffen."

Nicht nur diese Konzentration von Macht und Geld bereitet Standing Sorge. Auch die Tatsache, dass Entwickler von Apps, sich als Mittelsmänner einklinken, die für keine Leistung viel Geld bekommen, kritisiert der Wissenschafter.


Es bedarf einer gesellschaftlichen Revolte. Einer breiten Bewegung. Einer demokratischen oder technologischen Revolte, keine Revolution. Alle müssen Teil dieser Revolte sein. Es müsse Druck auf die Politiker gemacht werden, um etwas zu ändern. "Ich glaube an die Demokratie, aber Demokratie ist derzeit von Korruption unterwandert", so Standing. Der Brite sieht in einem bedingungslosen Grundeinkommen eine adäquate Möglichkeit auf die Herausforderungen der Zukunft zu reagieren.

Uber und AirBnB fehlt die ethische Komponente

Guy Standing wird auch nicht müde zu betonen, dass er Apps wie AirBnb und Uber nicht nutzt. "AirBnB untergräbt unsere Vorstellung von Zuhause und verstärkt die Probleme mit Wohnraum. Und Uber setzt auf unethische Praktiken. Das kann ich nicht unterstützen", so Standing.

Am Ende seiner Rede geht der Brite noch einmal auf die Begegnung mit dem Roboter ein. "Ich hätte dem Roboter etwas Anderes sagen sollen. Ich hätte sagen sollen, ja mach das. Nimm dem Prekariat die Jobs, damit die Menschen sinnvolle Arbeit tun können. Menschwürdige Arbeit in der Gemeinschaft, der Familie, für die Kinder und die Alten."



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-15 12:44:34
Letzte Änderung am 2018-02-19 15:16:56


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