Ludwig Wittgenstein

Noch heute, 70 Jahre nach dem Tod von Ludwig Wittgenstein, sind seine Texte und Thesen Pflichtlektüre für Studenten der Philosophie und Literatur in der ganzen Welt. Das bekannteste zu seinen Lebzeiten erschiene Werk, die Logisch-philosophische Abhandlung (Tractatus logico-philosophicus) erschien genau vor 100 Jahren, im Jahr 1921. Angesichts dieser beiden runden Jahrestage haben wir zahlreiche Artikel und Interviews über Leben, Philosophie und Wirken des großen österreichisch-britischen Philosophen (geboren 1889 in Wien) in einem Dossier zusammengefasst.






"Niemand hat den Überblick": Der Philosoph Friedrich Stadler erklärt im Interview das Mängelwesen Mensch und spricht über Wittgensteins Erkenntnis, dass das, worüber wir nicht sprechen können, das viel Wichtigere ist. Und wie lässt sich über Mathematik sprechen? Können Zahlen eine Art zu denken sein? Hierzu gibt der Wiener Mathematiker Karl Sigmund Einblicke in das mathematische Denken Wittgensteins. Wie logisch der Mensch eigentlich ist, darüber diskutieren der Philosoph Konrad Paul Liessmann und der Physiker Wolfgang Kummer: "Mit Aristoteles beginnt die Formalisierung des Denkens."







"Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen"? Sprache, so Wittgenstein, ist "Teil einer Tätigkeit". Dass es sich beim Sprechen nicht bloß um Wörter und Sätze sondern um weitaus mehr handelt, darum geht es in Eugen Maria Schulaks Essay "Sprache und Wirklichkeit." "Die Sprache ist das Fundament" wiederum blickt auf das Gemeinsame und Trennende im Denken von Wittgenstein, Heidegger, Benjamin und Cassirer.






1914 meldete sich der 25-jährige Ludiwg Wittgenstein freiwillig zum Kriegsdienst. Er war in Galizien und an der Italienfront im Einsatz. Seine Kriegserfahrungen und seine Denkarbeit notierte er in geheimschriftlich verfassten Tagebüchern. Sie gewähren Einblick in seine seelische und weltanschaulich-geistige Verfasstheit. Die Österreichische Moderne nach 1918 und ihre Protagonisten ist Forschungsobjekt einer aufschlussreiche Studie über das Werk sechs österreichischer Autoren nach dem Ende des Habsburger-Imperiums: Ironie am Abgrund. "Exaktes Denken am Rand des Untergangs" wiederum lautete der Titel einer Ausstellung über die geistige Auseinandersetzungen dieser Epoche. Sie wies darauf hin, wie schwer es diese Vertreter der Vernunft und Logik damals hatten, ehe ihr Zirkel tragisch endete. Und während Ludwig Wittgenstein trotz Familienreichtum in freiwilliger Askese lebte, stellt Margaret Wittgenstein diesen öffentlich zur Schau, wie in einer Biografie über seine Schwester zu lesen ist.






"Ich kann mir nicht vorstellen, anderswo so zu arbeiten wie hier", schrieb Ludwig Wittgenstein 1936 an einen Freund, aus Skjolden in Norwegen, aus seinem Häuschen jenseits des Endes des Sognefjordes.


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