Das Leben starker Frauen interessierte Margret Greiner schon immer. Darüber zu schreiben begann sie, als von ihr selbst Stärke und Durchsetzungsvermögen verlangt wurden. 2000 wurde ihr Mann Bernhard Greiner, Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Tübingen mit Spezialgebiet für jüdische Literatur, eingeladen, an der hebräischen Universität in Jerusalem für zwei Jahre zu lehren. Sie ließ sich von ihrer Schule, wo sie Literatur und Geschichte unterrichtete, beurlauben und ging mit, überzeugt, dass auch sie Arbeit finden werde.

Margret Greiner. - © Thomas Dashuber
Margret Greiner. - © Thomas Dashuber

Doch in Westjerusalem, wo das Ehepaar auch wohnte, fand sie keine Anstellung. So entschloss sie sich, an der Schmidt-Schule in Ostjerusalem christlichen und muslimischen Mädchen deutschsprachige Literatur nahezubringen. "Es war eine tägliche Gratwanderung. Sowohl geografisch als auch geistig. Gerade war die zweite Intifada losgegangen. Auf beiden Seiten erlebte ich Hass und Vorurteile. In Westjerusalem gab es oft neun Selbstmordattentate pro Tag. Meine Freunde in Westjerusalem verstanden nicht, dass ich in einer Palästinenserschule in Ostjerusalem unterrichte. Die Schülerinnen wiederum waren anfangs voller Misstrauen mir gegenüber. Diese Extremsituation brachte mich zum Schreiben", erzählt Margret Greiner.

Jede Woche verfasste sie eine Kolumne für die "Süddeutsche" und die "Stuttgarter" unter dem Titel "Emails aus Jerusalem", woraus später ihr erstes Buch entstand: "Miss, wie buchstabiert man Zukunft?". Jahre vorher hatte sie immer wieder einmal Jerusalem besucht und sich für die jüdische Seite eingesetzt. Nun lernte sie auch die Probleme der Palästinenser kennen und verstehen. "Seither hat sich meine Einstellung zu Israel sehr verändert", gesteht sie.

Zurück in Deutschland fiel Margret Greiner in ein Arbeitsvakuum. Was nun? "Ich kann ja nicht ein Kochbuch schreiben", meinte sie damals etwas mutlos. Doch der zündende Funke kam - in Wien im Leopold Museum, wo sie in der Ausstellung "Klimt - persönlich" auf Emilie Flöge (1874-1952) stieß. Wer war diese Frau, die stark genug war, Klimts Eitelkeiten, Seitensprünge und Jammerbriefe auszuhalten? Sie begann zu recherchieren und stieß auf eine interessante Persönlichkeit, die sich neben dem Künstlerkoloss ein eigenes, unabhängiges Leben aufbaute und gerade dadurch zu einer Stütze für Klimt wurde. Durch gründliche Recherchen konnte Margret Greiner Emilie Flöge, die bis dahin immer nur durch und mit Klimt in der Literatur bestehen konnte, ein eigenes Profil geben, sie zu der Persönlichkeit hinschreiben, die sie wirklich war.