Jerusalem/Gaza. Der Nahe Osten steuert auf einen neuen Krieg zu. Nach weiteren palästinensischen Raketenangriffen auf Tel Aviv schlug nun erstmals eine Gaza-Rakete bei Jerusalem ein. In beiden Städten heulten die Luftalarm-Sirenen. Eine israelische Bodenoffensive im Gazastreifen wird zugleich immer wahrscheinlicher - obwohl sich die Aufrufe zur Mäßigung aus aller Welt mehren.

Israel hat seine Vorbereitungen auf eine Bodenoffensive im Gazastreifen intensiviert. Wie Kabinettssekretär Zvi Hauser mitteilte, wird die Mobilisierung von bis zu 75.000 Reservisten für einen Einsatz gegen die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas angestrebt.

Offenbar in Vorbereitung einer Bodenoffensive hat Israel zudem alle großen Verkehrsadern um den Gazastreifen abgesperrt. Die Straßen befänden sich jetzt in einem "geschlossenen Militärgebiet" und seien für den Zivilverkehr gesperrt, sagte ein Armeesprecher. Reporter berichteten, dass die Armee entlang dem Gazastreifen bedeutende Truppenkontingente und schweres Militärmaterial zusammenziehe.

Israel reagiert damit auf den Einschlag von Gaza-Raketen in den Städten Jerusalem und Tel Aviv. Bei der Explosion im Großraum Jerusalem habe es Medienberichten zufolge keine Opfer gegeben. Dafür tötete Israel nach palästinensischen Angaben einen weiteren Kommandanten der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen. Der Militärchef für den mittleren Abschnitt des Gazastreifens, Ahmed Abu Jalal, sei zusammen mit zwei seiner Brüder und einem Nachbarn in dem Flüchtlingslager Al-Mughazi von einer Rakete getötet worden, teilte der medizinische Notdienst mit.

Reservisten einberufen

Israel rief wegen des Konflikts bereits 16.000 Reservisten zu den Waffen. Auch Panzer und anderes schweres Gerät seien auf dem Weg zu dem dicht besiedelten Palästinensergebiet am Mittelmeer. Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas und die militante Palästinenserorganisation Islamischer Jihad hatten sich zuvor zu den zwei Raketenangriffen auf Tel Aviv bekannt.

Am Freitag schlugen wieder Dutzende Raketen aus dem Gazastreifen in Israel ein. Mindestens eine Rakete explodierte im Großraum Tel Aviv. Verletzt wurde niemand, aber für Israel stelle dies eine "dramatische Eskalation" dar, hieß es aus der Stadtverwaltung von Tel Aviv.

Israel gelang es mit dreitägigen heftigen Luftangriffen nicht, die Hamas im Gazastreifen in die Knie zu zwingen. Sogar eine von Israel verkündete Feuerpause während des Besuchs des ägyptischen Ministerpräsidenten Hisham Kandil im Gazastreifen wurde von Anfang an von beiden Seiten missachtet. Kandil konnte gerade noch verkünden, dass sich sein Land um eine langfristige Waffenruhe bemühe, bevor er den gefährlichen Ort vorzeitig wieder verließ.