• vom 21.10.2013, 10:36 Uhr

Netzpolitik

Update: 21.10.2013, 10:40 Uhr

Geheimdienst

NSA späht massiv Telefondaten von Franzosen aus




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  • Russischer Geheimdienst erhält völlige Internetkontrolle
  • In nur einem Monat 70,3 Millionen Verbindungen aufgezeichnet

Paris/Washington. Der US-Geheimdienst NSA späht offenbar massiv die Telefonate französischer Bürger aus. Die französische Tageszeitung "Le Monde" berichtete am Montag unter Berufung auf Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden, allein innerhalb eines Monats - zwischen Anfang Dezember 2012 und Anfang Jänner 2013 - seien 70,3 Millionen Telefonverbindungen aufgezeichnet worden.

An einem einzigen Tag seien es fast sieben Millionen Telefondaten gewesen. Bei der Verwendung bestimmter Telefonnummern würden die Gespräche automatisch aufgezeichnet. Auch würden SMS und ihre Inhalte aufgrund bestimmter Schlüsselwörter abgefangen.


Die Ausspionierung der Telefonate französischer Bürger durch die NSA läuft laut "Le Monde" unter einem Programm mit dem Namen "US-985D". Wofür dieser Code stehe, sei unklar. Für das Abfangen von Telefondaten aus Deutschland gebe es Programme mit den Namen "US-987LA" und "US-987LB". Ziel seien nicht nur Terrorverdächtige, berichtet "Le Monde" unter Berufung auf die Snowden-Dokumente. Es seien auch die Telefondaten von Franzosen abgefangen worden, die offenbar nur wegen ihrer Geschäftstätigkeit oder der Mitarbeit in der Regierung oder bei Behörden für die NSA interessant waren.

Laut "Le Monde" interessierte sich der US-Geheimdienst im Jänner zudem besonders für E-Mail-Konten des französischen Internetanbieters wanadoo.fr, der rund 4,5 Millionen Nutzer hat, und E-Mail-Konten des US-französischen Telekommunikationsausrüsters Alcatel-Lucent. "Le Monde" hat die Snowden-Dokumente nach eigenen Angaben von dem Journalisten Glenn Greenwald erhalten, der eng mit Snowden zusammenarbeitet und seine Enthüllungen in der britischen Zeitung "The Guardian" veröffentlichte. "Le Monde" plant in den kommenden Tagen weitere Veröffentlichungen.

Paris bestellt nach möglicher NSA-Abhöraktion US-Botschafter ein
Als Reaktion auf eine mögliche weitreichende Abhöraktion des US-Geheimdienstes NSA in Frankreich bestellt die französische Regierung "umgehend" den US-Botschafter ein. "Diese Praktiken, die das Privatleben verletzen, sind zwischen Partnern vollkommen inakzeptabel", sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius am Rande eines EU-Treffens am Montag in Luxemburg.

Frankreich wolle daher eine schnelle Versicherung, dass diese Methoden nicht mehr angewandt würden. Er kündigte die Einbestellung des US-Botschafters am Montagvormittag ins französische Außenministerium an.

Russischer Geheimdienst erhält völlige Internetkontrolle
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB erhält der Moskauer Zeitung "Kommersant" zufolge völligen Zugriff auf die Internet- und Telefonverbindungen. Der FSB könne vom 1. Juli 2014 an alle IP- und Telefonnummern sowie Email-Adressen kontrollieren und zudem Daten aus sozialen Netzwerken, Internettelefonaten und Chats abgreifen, schrieb das Blatt am Montag.

Telekommunikationsanbieter kritisierten das Vorhaben als Verstoß gegen die Verfassung. Dem Parlament liegt zudem ein Gesetzentwurf vor, nach dem der FSB auf der Suche nach Organisatoren von Cyberattacken sowie terroristischen und extremistischen Gruppen soziale Netzwerke nutzen darf.




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Dokument erstellt am 2013-10-21 10:37:42
Letzte Änderung am 2013-10-21 10:40:34



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