• vom 09.05.2017, 01:13 Uhr

Netzpolitik

Update: 09.05.2017, 21:16 Uhr

Republica Berlin

Jeder kann etwas tun gegen Rechts




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Von Gregor Kucera aus Berlin

  • Sascha Lobo hielt bei seiner Rede einen flammenden Appell an die digitale Zivilgesellschaft.

Sascha Lobo bei seinem Talk "Vom Reden im Netz" auf der re:publica (#rp17) in Berlin. - © Gregor Fischer

Sascha Lobo bei seinem Talk "Vom Reden im Netz" auf der re:publica (#rp17) in Berlin. © Gregor Fischer

Sascha Lobo und seine Erkenntnisse aus der Diskussion mit Menschen in sozialen Netzwerken.

Sascha Lobo und seine Erkenntnisse aus der Diskussion mit Menschen in sozialen Netzwerken.© Foto: Gregor Kucera Sascha Lobo und seine Erkenntnisse aus der Diskussion mit Menschen in sozialen Netzwerken.© Foto: Gregor Kucera

Berlin. Sascha Lobo und die Republica, das gehört einfach irgendwie zusammen. Und doch war es in diesem Jahr ein bisschen anders. Lobo war ruhiger und politischer als sonst. Und er wendete sich mit einem flammenden Appell an die digitale Zivilgesellschaft. "In den letzten 12 Monaten hat sich einiges getan", so Lobo, "Brexit, Erdogan, Trump, die Wahlen in Österreich und nun in Frankreich." Und auch der bekannte deutsche Redner und Internetprofi war mehr sehr umtriebig. Lobo erzählt in seinem Vortrag "Vom Reden im Netz" von seiner einjährigen Recherche zur Diskurskultur im WWW.

Und wie so oft, so ist auch diese Rede sehr gut gelungen. Nicht nur das. Lobo ruft das Auditorium zu mehr Aktivität auf, zu mehr Engagement und vor allem zu mehr Diskussion und Diskurs im Netz. Und dies nicht in der eigenen Blase, sondern vielmehr außerhalb derselben, um etwas wirklich zu verändern, was aus seiner Sicht nicht nur dringend zu ändern ist, sondern auch tatsächlich verändert werden kann.

Die Zangentaktik

Bei seiner Recherche stieß Lobo in Zuge der Zunahme der unzufriedenen Bürger und rechter oder sogar rechtsextremer Parteien in Europa auf mehrere "Typen" von Nutzern: "Da gibt es in den sozialen Netzwerken eine große Gruppe, die von mir als rechts Empfundene, doch diese Gruppe kann man viel differenzierter aufspalten." In einem Tortendiagramm zeigt Lobo dann, wie unterschiedlich diese Gruppe ist. "Da gibt es solche, die ich als Nazis bezeichnen würde, dann gibt es aber auch Trolle oder Ärsche, zumindest temporär oder die sehr, sehr Wütenden, die im Eifer eine Dummheit schreiben."

Früher wäre Lobo wohl eher laut gegen diese "Dummheiten" vorgegangen, aber im vergangenen Jahr, versuchte er es anders: "Höflich, immer höflich, habe ich den Kontakt gesucht. Mit den Menschen kommuniziert." Er empfiehlt eine Zangentaktik – "Man muss ganz klar die harte Grenze aufzeigen, diese muss es geben, aber man muss auch diskutieren, um die Leute wachzurütteln und um Zweifel zu säen." Viele Nutzer sozialer Netzwerke würden nämlich für einen Dialog offen sein, sich zu anderen Argumenten und Sichtweisen bewegen lassen, wenn man den (virtuellen) Raum öffnet.

Lobo will reden

Nicht Beschimpfungen, Besserwisserei oder Shitstorms würden etwa die Wütenden auf die andere Seite, oder wie Lobo es nennt, wieder zurück auf die Insel der liberalen Demokratie holen, auf der unterschiedliche Sichtweisen gelebt werden können. Es sind vielmehr die Anerkennung des Gegenübers, so schlimm die Aussagen in den sozialen Netzwerken auch erscheinen mögen, und der Versuch einer Öffnung und eines Dialoges. Das Zuhören im Netz wird immer seltener. Zu viel Information, zu viele Blasen, die einen abstumpfen lassen oder nur das eigene Weltbild einzementieren.

Am Ende der Appell an alle Teilnehmer der Republica. Man soll etwas tun: Reden, sich einmischen, einbringen und den Dialog suchen. Wertschätzend, so gut es geht. Höflich, so weit wie möglich. Man muss sich nicht verbiegen und keinesfalls von seinen Idealen und Werten abweichen, aber man kann einfach nicht mehr nur ruhig dasitzen, liken, schimpfen und abwarten.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-05-09 01:14:48
Letzte Änderung am 2017-05-09 21:16:21


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