• vom 03.04.2018, 10:33 Uhr

Netzpolitik


Tschechien

Auslieferung von russischem Hacker an USA mit Nachspiel




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Von WZ Online, APA

  • Moskau protestiert gegen "politisch motivierte Entscheidung", doch Washington lobt Prag für "Durchsetzung der Prinzipien der Gerechtigkeit".

Prag. Die Auslieferung des mutmaßlichen russischen Hackers Jevgenij Nikulin an die USA durch die tschechischen Behörden vergangene Woche hat ein Nachspiel. Während sich Russland "empört" über die Entscheidung Tschechiens zeigte, lobten die USA das Vorgehen Prags in höchsten Tönen.

Sowohl Washington als auch Moskau hatten die Auslieferung des 30-jährigen Mannes gefordert, der laut US-Behörden die Zugangsdaten von rund 117 Millionen Nutzern des sozialen Netzwerkes LinkedIn gestohlen haben soll.

Russland fürchtet einen unfairen Prozess

Laut dem russischen Außenministerium war die Auslieferung von Nikulin an die USA ein "politisch motivierter Schritt". Dessen Ziel sei es, die "konstruktiven Grundlagen der tschechisch-russischen Zusammenarbeit zu untergraben". Tschechien habe die Bedenken Russlands nicht berücksichtigt, wonach "unser Bürger unter den Bedingungen einer antirussischen Hysterie, die in den USA entfacht wurde, nicht mit einem unbefangenen und fairen Gerichtsprozess rechnen kann", so das russische Ministerium.

Demgegenüber teilte die Pressestelle des Weißen Hauses in Washington mit, dass die USA der Tschechischen Republik "dankbar" seien. Verbrecher zur Verantwortung zu ziehen, sei ein "bedeutender Aspekt der Aufrechterhaltung der Zuverlässigkeit des Internets". "Wir loben die Tschechische Republik dafür, dass sie in dieser Sache die Prinzipien der Verantwortung und der Gerechtigkeit durchsetzt", so das Amt des US-Präsidenten. Laut US-Justizminister Jeff Sessions ist "Computer-Piraterie nicht nur ein Verbrechen, sondern eine direkte Bedrohung der Sicherheit und des Privatlebens der Amerikaner".

Auch die meisten tschechischen Parteien begrüßten die Entscheidung des Justizministers Robert Pelikan, Nikulin an die USA auszuliefern. Nur der Sprecher des Staatspräsidenten Milos Zeman, Jiri Ovcacek, äußerte Bedenken. Zeman hatte zuvor mehrmals Druck auf Pelikan ausgeübt, Nikulin nicht an die USA sondern an Russland auszuliefern. Auch Moskau hatte die Auslieferung Nikulins gefordert. Der Grund waren angebliche Internet-Betrügereien im Umfang von mehreren Hundert Euro.

Nikulin war im Herbst 2016 aufgrund des US-Haftbefehles in einem Prager Hotel festgenommen worden.





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Dokument erstellt am 2018-04-03 10:35:22


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