• vom 10.04.2018, 17:51 Uhr

Netzpolitik


Facebook

Auf großer Reue-Tournee




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  • Seit mehr als zwei Wochen bemüht sich Facebook-Chef Zuckerberg mit Entschuldigungen und Reformversprechen um Schadensbegrenzung im Datenskandal. Nun auch vor dem US-Kongress.

Facebook-Chef Marc Zuckerberg muss nun Rede und Antwort stehen. - © ap/Applewhite

Facebook-Chef Marc Zuckerberg muss nun Rede und Antwort stehen. © ap/Applewhite

Washington. (ast/reu) Er postete es in seinem eigenen Netzwerk auf Facebook, inserierte einen Brief in britischen Zeitungen und nun noch einmal: Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich erneut für die Datenaffäre rund um sein Unternehmen entschuldigt - am Dienstagabend erstmals auch vor dem US-Kongress.

Das weltgrößte soziale Netzwerk habe nicht genug getan, um Schaden abzuwenden, wie Zuckerberg bereits am Montag in einem schriftlichen Schuldeingeständnis an den ständigen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses schrieb. "Es war mein Fehler. Es tut mir leid. Ich habe Facebook gegründet, ich leite die Firma und ich bin verantwortlich für das, was hier passiert ist."


Der Gründer und Chef von Facebook warnte aber auch: "Umfangreiche Investitionen in Sicherheit dürften die Profitabilität in nächster Zukunft beeinträchtigen." Seit dem Bekanntwerden des Skandals vor gut drei Wochen stürzte der Aktienkurs des Unternehmens in ein veritables Tief. Am Dienstag, mitten in der Entschuldigungs-Tour, hat er sich bei knapp 129 Euro leicht gefangen.

Das Netzwerk steht in der Kritik persönliche Informationen seiner Nutzer an die britische Politikberatungsfirma Cambridge Analytica zweckwidrig weitergegeben zu haben, die damit unter anderem den Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump vor zwei Jahren unterstützt haben sollen. 87 Millionen Nutzer sollen insgesamt, in Österreich laut Facebook 33.568 Nutzer betroffen sein. In diesem Fall ermitteln unter anderem die US-Verbraucherschutzbehörde FTC und die Generalstaatsanwälte von 37 US-Staaten.

Besserung geloben
Der Facebook-Chef ist um Schadensbegrenzung bemüht. In seinem vorab veröffentlichten Text kündigte er an, das Unternehmen habe zusätzlich Personal für die Sicherheit eingestellt. "Der Schutz unserer Gemeinschaft ist wichtiger als die Maximierung unserer Gewinne", beteuerte er.

Die mutmaßlichen Interventionen durch Russland in den US-Präsidentschaftswahlkampf zugunsten Trumps waren ebenfalls Thema der Befragung. Zuckerberg gelobte auch hier Besserung. "Wir waren zu langsam darin, die russische Einmischung zu erkennen und darauf zu antworten." Die Mitarbeiter, die für die Kontrolle und Sicherheit von Inhalten zuständig sind, wolle das Unternehmen bis Ende 2018 um 5000 auf insgesamt 20.000 Mitarbeiter aufstocken.

Der Internetkonzern steckt in der bisher schwersten Krise seiner 14-jährigen Geschichte. Für seinen 33-jährigen Gründer wird die zweitägige Befragung - am Mittwoch wird Zuckerberg auch noch dem Handelsausschuss des Repräsentantenhauses Rede und Antwort stehen - der wohl schwierigste Moment in seiner Karriere. Denn der Skandal gefährdet potenziell das Geschäftsmodell von Facebook, das auf der massiven Sammlung von Daten über seine Nutzer beruht.

Politisch Punkte sammeln
Trotz wiederholter Reuebekenntnisse lobbyiert Facebook gleichzeitig stark im Hintergrund, denn die Affäre soll keinesfalls zu mehr Regulierung der Internet-Konzerne führen.

Laut Daten der gemeinnützigen Organisation Center for Responsive Politics hat Facebook 2011 magere 1,35 Millionen Dollar für positive Stimmungsmache ausgegeben - 2017 waren das Zehnfache (11,5 Millionen Dollar). Im Kapitol kommen auf einen Vertreter für Konsumentenschutz 20 bis 30 Lobbyisten aus der Wirtschaft, sagt Alvaro Bedayo, Ex-Mitarbeiter des Kongresses, der für einen Senator zum Thema Privatsphäre gearbeitet hat.

Glimpflich davonkommen
Vertreter der Tech-Industrie erwarten sich, dass Zuckerbergs Rede vor dem Kongress gut Wetter macht. Der 33-Jährige wird wohl möglichst versuchen, politisch Punkte zu sammeln und weniger Ideen für neue gesetzliche Regelungen vorbringen.

Der mehrheitlich republikanische Kongress ist außerdem traditionell nicht für mehr Regulation zu haben. So waren bereits hochrangige Vertreter von Unternehmen wie Target Corp, Google (Alphabet), United Airlines und Equfex zur Aussage geladen wegen verschiedenster Problemthemen, so auch Netzwerk-Sicherheit - und zogen mit einer Schelte und einem kurzen Aktienkurseinbruch unbeschadet davon.




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Dokument erstellt am 2018-04-10 17:57:11


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