• vom 09.08.2011, 16:07 Uhr

Netzregulierung

Update: 25.07.2014, 21:34 Uhr

Anonymität

In Zukunft nur mehr mit dem richtigen Namen im Internet?




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Von Gregor Kucera

  • Anonym im Netz
  • Facebook und Google+ wünschen sich "Klarnamen.
  • Mittel gegen Cyber-Bulling oder Angst um Werbeeinbußen?

Würden sie in einem Raum mit hunderten Menschen während einer Podiumsdiskussion laut schreiend aufspringen, um einen Diskutanten, der eine andere Meinung vertritt, wüst zu beschimpfen, zu bedrohen oder verächtlich zu machen? Ziemlich sicher würde ihre Antwort "Nein" lauten. Was aber, wenn sie unerkannt blieben, keiner wüsste wer sie sind, noch wohin sie gehen? Sie könnten anonym ihrer Wut freien Lauf lassen und ohne Angst vor Repressalien verschwinden. Wäre es dann nicht schön auf einmal "richtig böse" zu sein?

Im Internet passiert dies täglich. Minütlich. Nutzer, getarnt hinter Pseudonymen und im Schutz der Anonymität, wettern gegen Andersdenkende, gegen die Ungerechtigkeit der Welt und sie beschimpfen und bedrohen.  Einen Begriff für diese Art von Zeitgenossen gibt es – es sind die so genannten "Trolle", die sich durch Mobbing im Internet, auch "Cyber-Bulling" genannt, in diversen Foren und Chatrooms negativ hervortun. Und genau diese Individuen sind es nun, die soziale Netzwerke, wie Facebook und Google+ auf den Plan gerufen haben. Es soll keine Anonymität mehr im Internet geben, so die Forderung der Konzerne. Ein "Vermummungsverbot" in der digitalen Welt. Nur wer mit seinem richtigen Namen ("Klarnamen") in der digitalen Welt auftritt, wird sich an die zwischenmenschlichen Konventionen und Regeln halten. Diese Forderung von Randi Zuckerberg, Schwester des Facebook-Gründers und seit Donnerstag Ex-Mitarbeiterin des sozialen Netzwerks, eröffnete eine neue Diskussion um Anonymität im Internet.


Chancen und Möglichkeiten durch Anonymität
Doch es gibt auch eine andere Sichtweise. Digitale Identitäten eröffnen Chancen und Möglichkeiten, die es in der Realität nicht gibt. Pseudonyme und Anonymität als Möglichkeit an der Demokratie, oder der Entstehung selbiger, aktiv mitzuarbeiten. Sich auszutauschen, Stellung zu beziehen, ohne abgestempelt zu werden. In China scheint politisches Engagement gegen das Regime ohne Pseudonyme unmöglich. Die "grüne Revolution" in der arabischen Welt wäre ohne diesen Schutz nicht möglich gewesen. In Ägypten "tarnten" sich Frauen in Internetforen als Männer, um dort an Diskussionen und am politischen Austausch teilnehmen zu können. Diese Möglichkeit gab es in der Realität nicht. Versammlungen, Demonstrationen und Revolutionen wurden über Facebook und Twitter organisiert. Die Problematik dabei war allerdings, dass man nicht verhindern konnte, dass auch regimetreue Spitzel getarnt und anonym in die Netzwerke kommen konnten.

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Dokument erstellt am 2011-08-05 15:03:03
Letzte Änderung am 2014-07-25 21:34:26


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