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"Datenschutz ist heute eine reaktionäre Forderung"
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Das Ende der PrivatsphäreSocial-Media-Forscher Heinz Wittenbrink spricht über Post-Privacy, Google Plus und Social Data

Google Plus und andere soziale Netzwerke verlangen von ihren Nutzern bei der Registrierung die Angabe des Klarnamens. Eine Debatte über Identität im Netz und die Sinnhaftigkeit von Pseudonymen war die Folge. Initiativen wie die deutsche Netzgruppierung "Spackeria" beschwören unter dem Begriff  "Post-Privacy" gar das Ende der Privatsphäre im Internet herauf. Der Datenschutz muss in dieser Sicht neu definiert werden.

Die Wiener Zeitung sprach mit Heinz Wittenbrink, Lektor an der FH Joanneum in Graz. Wittenbrink, von seinem Rektor als "Social Media Freak" bezeichnet, laut Eigendefinition auf Facebook und Google Plus-Konten "geekdad and geekteacher", stellt den herkömmlichen Datenschutz-Begriff in Frage.

Wenn ich Ihren Namen bei Google eingebe, finde ich viele Daten über Sie, teilweise auch private Fotos. Gäbe es für Sie überhaupt noch eine Möglichkeit, sich mit Ihren Daten aus dem Netz zurückzuziehen?
Es würde wahrscheinlich gehen, mit großem Aufwand. Ich halte es für sinnlos.

Was bringt es, wenn alle meine Inhalte unter meinem echten Namen verfügbar sind?
Man kann selbst seine Reputation kontrollieren und das, was andere über einen wahrnehmen. Außerdem ist es ein gewisses Maß an Selbstgestaltung. Man arbeitet auch für sich selbst an seiner Identität.

Wo stehen Sie in der Debatte um Realnamen oder Pseudonyme im Internet?
Ob ich ein Pseudonym wähle oder nicht muss eigentlich mir überlassen sein. Andererseits bin ich der Meinung, dass die Qualität von Social Networks enorm zunimmt, wenn Leute unter ihrem realen Namen oder einer kontinuierlichen Identität aktiv sind. Ich finde die anonymen Kommentare beim "Standard" oder bei anderen Zeitungen meist unerträglich schlecht. Ich lese sie nie. In der Blogosphäre, wo die Leute vielleicht nicht  mit Klarnamen, aber mit einer erkennbaren Identität arbeiten, ist die Qualität in der Regel gut. Von daher kann ich nachvollziehen, dass man in einem Netzwerk wie Google Plus, wo man auf Qualität achtet, sagt, dass man nicht unter jedem Namen posten lässt.

Oft werfen die Leute mit Steinen, obwohl sie im Glashaus sitzen. Nutzer von Google Plus oder Facebook beklagen sich über mangelnden Datenschutz, obwohl sie sich in Kenntnis der Geschäftsbedingungen registriert haben. Ist das für Sie verständlich?
Ich glaube, dass generell nicht die eigentlich wichtigen Probleme erkannt werden. Was mit den Daten der Telefongesellschaften passiert, das interessiert kaum jemanden. Während ich bei Facebook und Google leicht sagen kann, welche Daten ich publiziere und welche nicht, schreien trotzdem alle sofort auf. Das ist meiner Meinung nach eine irrationale Reaktion.

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