• vom 04.10.2013, 11:04 Uhr

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Update: 04.10.2013, 11:12 Uhr

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Friedensnobelpreis 2013: Heuer so viele Nennungen wie noch nie




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  • Spekulationskarussell kommt in Gang
  • Schwerpunkte der Nominierungen liegen heuer auf religiösen Konflikten, Aufdeckern, Russland und Myanmar.

Oslo. Kommenden Freitag (11. Oktober) wird in Oslo der diesjährige Friedensnobelpreisträger bekannt gegeben. Mit insgesamt 259 Nominierungen, davon 50 Organisationen ist die Zahl der Kandidaten für die weltweit beachtete Auszeichnung so hoch wie nie zuvor. Wie üblich werden Namen und Herkunft der Kandidaten vom Komitee streng geheim gehalten. Das internationale Rätselraten hat bereits begonnen und wird erfahrungsgemäß in der Woche vor der Bekanntgabe noch intensiver werden.

Spekulationen über mögliche Empfänger gibt es bereits. Im Laufe des Jahres genannt wurden teilweise die selben Namen wie im Vorjahr, darunter der mittlerweile zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilte US-Aufdecker Bradley(Chelsea) Manning, Ex-US-Präsident Bill Clinton, die russische Bürgerrechtlerin Svetlana Gannuschkina sowie das christlich-muslimische Versöhnungsduo Erzbischof John Onaiyekan und Sultan Mohammed Sa'ad Abubakar aus Nigeria.


Ganz oben auf der Shortlist
Ganz oben auf der Shortlist des häufig zitierten Nobelpreis-Voraussagers Kristian Berg-Harpviken vom norwegischen Friedensforschungsinstitut PRIO steht die 16-jährige Pakistanerin Malala Yousafzai. Sie wurde durch ihre Auflehnung gegen das von dem in ihrer Heimat, dem Swat-Tal, durch regional herrschenden Taliban verfügten Schulbesuchsverbot weltberühmt. Yousafzai war damals elf Jahre alt. Auf sie wurde in der Folge ein Attentat verübt, bei dem sie schwer verletzt wurde. 2012 machte sie das "Time-Magazine" nach US-Präsident Barack Obama zur zweitwichtigsten Person des Jahres. 2013 hielt sie als erste Jugendliche eine offizielle Rede vor den Vereinten Nationen.

Weitere Kandidatenschwerpunkte gibt es in verschiedenen Konfliktregionen der Welt. Aus Myanmar, dem ehemaligen Burma, sind laut Medienberichten nicht nur der ehemalige Junta-Chef Thein Sein, sondern auch der regimekritische Sender "Democratic Voice of Burma" heißere Tipps für den diesjährigen Preis.

Kuriose und umstrittene Nominierungen
Aus Russland dürften neben Gannuschkina laut Harpviken mit Ljudmila Alexejewa und Lilja Schibanowa zwei weitere Menschenrechtsaktivistinnen Chancen haben. Eher kurios wirkt daneben - abgesehen von der weit überschrittenen regulären Nominierungsfrist - die jüngst von einer Unterstützergruppe Wladimir Putin ventilierte Nennung des russischen Staatspräsidenten für seine Rolle im Syrienkonflikt.

Die laut PRIO bestätigte Nominierung des ehemaligen italienischen Regierungschefs Giulio Andreotti für dessen Einsatz zur Zerstörung von Atomwaffen durch einen nicht näher genannten Unterstützer aus den USA gehört auch zu den eher ungewöhnlichen Vorschlägen. Andreotti starb überdies im Mai dieses Jahres und kommt somit in keinem Fall mehr für den Friedensnobelpreis infrage.

Neben Manning, Wikileaks-Gründer Julian Assange und dem seit Jahren immer wieder genannten Aufdecker des israelischen Atomwaffen-Programms, Mordechai Vanunu, wurde mit dem US-Amerikaner Edward Snowden im Sommer ein weiterer Aufdecker ins Spiel gebracht. Auch in diesem Fall dürfte die von einem schwedischen Politologen behauptete Nominierung für 2013 wohl kaum berücksichtigt werden: Die Nennungsfrist für den Preis endet üblicherweise im Februar. Das Nobelkomitee kann in Einzelfällen allerdings auch danach noch Kandidaten in Erwägung ziehen.

Wie schon früher findet sich auf der Shortlist von PRIO auch ein Empfänger des Stockholmer "Right Livelihood Awards": Der heuer mit dem "Alternativen Nobelpreis" versehene kongolesische Frauenarzt und Spezialklinikgründer Denis Mukwege, der sich seit Jahren für die Behandlung und Betreuung von Vergewaltigungsopfern in bewaffneten Konflikten einsetzt.

Der Friedensnobelpreis wird traditionell als einziger der von dem schwedischen Industriellen Alfred Nobel (1833–1896) testamentarisch gestifteten Auszeichnungen nicht in Stockholm, sondern in Oslo bekannt gegeben und verliehen. Vergangenes Jahr erhielt ihn die Europäischen Union als Friedensprojekt. Es kommt immer wieder vor, dass Organisationen oder Gruppen von Menschen den Preis zuerkannt bekommen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-10-04 11:05:02
Letzte Änderung am 2013-10-04 11:12:20


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