• vom 29.02.2016, 06:29 Uhr

Oscar

Update: 23.02.2017, 14:11 Uhr

Nachlese 2016

Oscars für "Spotlight" und DiCaprio




  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (10)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA

  • Alejandro Gonzalez Inarritu wieder zum besten Regisseur gekürt. Erster Oscar für Morricone.

Los Angeles. "Spotlight" ist der große Sieger der 88. Oscar-Verleihung in Los Angeles. Das Drama über die Aufdeckung der Investigativreporter der Zeitung "The Boston Globe" des sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester setzte sich in der Königskategorie "Bester Film" durch. Zuvor wurden Regisseur Tom McCarthy und Co-Autor Josh Singer bereits für das Original-Drehbuch ausgezeichnet.

"Dieser Film hat den Überlebenden eine Stimme gegeben - und der Oscar dient nun hoffentlich als Verstärker, damit diese Stimme ihren Weg bis in den Vatikan findet", zeigte sich Produzent Michael Sugar bewegt über die Auszeichnung für das Aufdeckerdrama.

Erster Oscar für DiCaprio

Im fünften Anlauf hat es geklappt: Leonardo DiCaprio konnte sich über die Trophäe für den besten Hauptdarsteller freuen. Mit seinem großteils stummen Part als verletzter Trapper in Alejandro G. Inarritus Rachewestern "The Revenant" setzte sich der 41-Jährige gegen die Konkurrenz durch und nahm den Preis aus den Händen von Julianne Moore entgegen.

Der engagierte Umweltschützer nutzte seine Dankesrede für einen Appell: "Der Klimawechsel findet jetzt statt - und ist die größte Bedrohung für unsere Spezies." Ansonsten zeigte sich der Schauspieler freudestrahlend gerührt von seiner Ehrung und den stehenden Ovationen im Auditorium. "Du hast Dich in den vergangenen zwei Jahren in die Filmgeschichte eingeschrieben", zollte er dabei seinem Regisseur Alejandro G. Inarritu Respekt.

Brie Larson beste Hauptdarstellerin

Eine Hollywood-Newcomerin hat sich die höchste Schauspieler-Ehre gesichert: Brie Larson wurde für ihre bewegende Rolle der als Teenager entführten Joy Newsome in Lenny Abrahamsons Independentdrama "Room" als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Die Trophäe nahm sie aus den Händen von Vorjahresgewinner Eddie Redmayne entgegen.

Die 26-jährige Kalifornierin hatte im Vorfeld der Verleihung als Favoritin gegolten. Ihre Darstellung der emotionalen Tour de Force einer jungen Frau, der nach sieben Jahren Gefangenschaft gemeinsam mit ihrem Sohn die Flucht gelingt, hatte ihr zuvor bereits einen Golden Globe und einen SAG Award eingebracht.

Beste Nebendarsteller wurden der versierte britische Theater- und Filmdarsteller Mark Rylance wurde für seinen Part in "Bridge of Spies" sowie die 27-jährige Schwedin Alicia Vikander für "The Danish Girl".

Zweiter Oscar für Alejandro Gonzalez Inarritu

Zum zweiten Mal infolge wurde Alejandro Gonzalez Inarritu bei den Oscars zum besten Regisseur gekürt. Ein Jahr nach seinem Sieg mit der Satire "Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)" holte der Mexikaner den begehrten Regiepreis für sein zwölffach nominiertes Rachedrama "The Revenant - Der Rückkehrer".

Inarritu ist damit nach John Ford (1940/41) und Joseph L. Mankiewicz (1949/50) erst der dritte Regisseur, der in zwei Jahren hintereinander zu Oscar-Ehren kommt.

Auslands-Oscar an Ungarn

Im Rennen um den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film hat sich Favorit Ungarn durchgesetzt: Regisseur Laszlo Nemes wurde für sein KZ-Drama "Son of Saul" ausgezeichnet und ließ dabei Mitkonkurrenten Frankreich ("Mustang"), Jordanien ("Theeb"), Dänemark ("A War") und Kolumbien ("Embrace of the Serpent") hinter sich.

"Son of Saul" ist der Debütfilm von Nemes, der einst Assistent bei Regielegende Bela Tarr war. Das Werk gewann bereits den Golden Globe als bester nicht-englischsprachiger Film und erzählt von Saul, einem jüdischen Insassen im einstigen deutschen Vernichtungslager Auschwitz, der inmitten der Gräuel verzweifelt versucht, seinen Sohn beerdigen zu lassen. Die Hoffnung des Films sei, dass es "sogar in den dunkelsten Stunden der Menschheit diese Stimme tief in uns gibt, die uns Wahrhaftigkeit ermöglichen", so Nemes auf der Bühne.

Der Auslandsoscar geht damit zum zweiten Mal nach Ungarn. 1982 holte Istvan Szabo den Preis mit seinem Drama "Mephisto" mit Klaus Maria Brandauer in der Hauptrolle. Auch bei den diesjährigen Anwärtern gab es einen Österreich-Bezug: Wolfgang Thaler verantwortete die Kameraarbeit von "Theeb".

Morricones erster Oscar

Ennio Morricone holte bei seiner sechsten Nominierung endlich seinen ersten Oscar - für seine Partitur zu Quentin Tarantinos Western "The Hateful Eight", wofür der 87-Jährige mit langem Applaus bedacht wurde. "Es gibt keinen großen Soundtrack ohne einen großen Film, der ihn inspiriert", zeigte sich Morricone in seiner auf Italienisch gehaltenen Dankesrede bescheiden.

Für den besten Song wurde bei der 88. Oscar-Gala im Dolby Theatre indes überraschend der Brite Sam Smith für seinen Bond-Song "Writing's on the Wall" ("Spectre") ausgezeichnet. Die eigentlich favorisierte Lady Gaga hatte hier mit ihrer Nummer "Til it Happens to You" ("The Hunting Ground") das Nachsehen. "Ich stehe hier als stolzer schwuler Mann", widmete Smith die Auszeichnung der lesBiSchwulen Community.

Den Oscar für den besten Animationsfilm holte sich direkt davor der berührende Pixar-Film "Inside Out" (dt. "Alles steht Kopf") über die Gefühlswelt einer Elfjährigen - der vierte Oscar für das Studio in Folge. Charlie Kaufmans viel gepriesener, außergewöhnlicher Stop-Motion-Film "Anomalisa" hatte das Nachsehen.  Die Drehbuch-Oscars gingen an "The Big Short" (bestes adaptiertes Skript) und "Spotlight" (bestes Original-Drehbuch).

Der erfolgreichste Film des Abends war "Mad Max: Fury Road" mit sechs Oscar-Statuetten. Das postapokalyptische Actionspektakel räumte wie erwartet in den technischen Kategorien Kostümdesign, Produktionsdesign, Make-up und Haarstyling, Filmschnitt, Tonschnitt und Tonmischung ab.

Einzig den Preis für die besten visuellen Effekte gewann überraschend der britische Science-Fiction-Thriller "Ex Machina" - und ließ den siebenten "Star Wars"-Film "Das Erwachen der Macht" damit leer ausgehen.

Begonnen hatte die Gala mit einer bissigen Eröffnungsrede von Moderator Chris Rock zur Kontroverse um die erneut rein-weiße Nominierungsliste in den Schauspieler-Kategorien. Das Thema der fehlenden Diversität griff der afroamerikanische Komiker im weiteren Verlauf der Gala immer wieder auf, darunter in Videoeinspielern mit Gastauftritten von Tracy Morgan oder Whoopi Goldberg, die humorvoll zeigten, wie schwierig es als Schwarzer ist, Filmrollen zu bekommen.





4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-02-29 06:34:12
Letzte Änderung am 2017-02-23 14:11:00



Werbung



Filmindustrie

Von "Wings" bis "Moonlight"

Los Angeles. Im Folgenden sehen Sie alle Auszeichnungen in der Kategorie "Bester Film" seit der ersten Oscar-Verleihung im Jahr 1929... weiter




Filmindustrie

Genese des begehrtesten Filmpreises der Welt

Los Angeles/Wien. "Wir werden die Filmkunst und Filmtechnik dadurch voran bringen, dass wir Preise für hervorragende Einzelleistungen verleihen werden... weiter




Hollywood

Die Jury ist alt, weiß und männlich

Los Angeles. "Ich danke der Academy": Dieser gern gesagte Satz ist einer der beliebten Floskeln, die während der Verleihung bei der einen oder anderen... weiter




Hollywood

Wie man einen Oscar gewinnt

Independent-Kino aus Sundance: "Lay the Favorite" mit Bruce Willis, "Bachelorette" mit Kirsten Dunst, Spike Lees "Red Hook Summer" und "Arbitrage" mit Gere und Sarandon (im Uhrzeigersinn) Fotos:Sundance - © Sundance Film Festival O Fortuna! Mit Glück hat der Gewinn eines Oscars wenig zu tun. Und auch nicht mit Qualität und Filmkunst. Denn die meisten Filme... weiter





Twitter Wall



Filmkritik

Von Tanz und Terror

Dakota Johnson spielt eine junge amerikanische Tänzerin im Berlin des Jahres 1977. - © Amazon Studios Der Begriff Remake ist im Mainstream inzwischen die Auszeichnung für größtmögliche Phantasie- und Ideenlosigkeit. Das gilt allerdings nicht für die... weiter




Filmstarts

Neu im Kino

Die Frau als Gefahr (vf) Auch wenn der Filmtitel "#Female Pleasure" vielleicht etwas Schlüpfriges vermuten lässt, ist es genau dieser Widerspruch... weiter




Filmkritik

Macht den Reinblütigen!

Der zweite von fünf Teilen der "Phantastischen Tierwesen" spielt im Jahre 1927. Zuvor wurde der Zauberer Grindelwald enttarnt und festgenommen... weiter






Werbung