Hierzulande ist Ostern ein sehr beliebtes Fest. Das liegt nicht zuletzt an der Vielzahl an Bräuchen, die von den Menschen nach wie vor begeistert gepflogen werden - und vor allem bei Kindern großen Anklang finden. Mit Religion und dem geistlichen Inhalt des Osterfestes, der Auferstehung Jesu, haben diese oft als heidnisch geltenden Traditionen freilich nicht immer zu tun. So scheinen etwa auf den ersten Blick weder das Osterei, noch der allseits angepriesene Osterhase irgendetwas mit der katholischen Lehre zu tun zu haben. Genauso wenig das weithin verbreitete Osterfeuer.

Die Idee des Eierbemalens und -schenkens stammt ursprünglich aus China und wurde dort vor mehr als 5000 Jahren eingeführt. In Europa wurde der Brauch erst im 15. Jahrhundert heimisch, wobei es sich bei den "Ostereiern" nicht um Geschenke, sondern um "bis Ostern abzuliefernde Zinseier" gehandelt haben dürfte. Verzierte Eier sind ab 1615 belegt.

Ebenso heidnischen Ursprungs ist auch der Osterhase, der in der Antike als Eros-Symbol gehandelt und mit der Liebesgöttin Aphrodite assoziiert wurde. Bis heute, wie etwa die "Bunnys" im US-Männermagazin "Playboy" beweisen.

Kritik am Osterhasen

Die Vorstellung vom Hasen als Eierbringer ist in Mitteleuropa zum ersten Mal im 17. Jahrhundert belegt. In Byzanz soll er ein Zeichen für Christus gewesen sein. In der Annahme, dass der Hase mit offenen Augen schlafe, verglich man ihn mit dem Auferstandenen, der nicht im Tod entschlafen war. Das Osterfeuer hat seinen Ursprung wiederum in den Frühlingsfeuern der alten Germanen.

Nun hat es die katholische Kirche in den vergangenen Jahrhunderten verstanden, diese Bräuche in die christliche Tradition zu integrieren und mit einer religiösen Bedeutung aufzuladen. "Ich finde, das Osterei ist ein schönes Symbol der Auferstehung", meint etwa Pfarrer Konstantin Spiegelfeld von der Wiener Nepomuk-Kirche zur "Wiener Zeitung". Rein äußerlich könne man sich nicht vorstellen, dass in dem harten und kalten Ei Leben möglich wäre. "Trotzdem wächst es heran und durchbricht die Schale", sagt der Geistliche. Und was den Hasen betrifft: "Ich kenne Kirchen in Frankreich, wo es Statuen von Hasen gibt."

Keine rechte Freude mit "Meister Lampe" hat Helmuth Hausner von der Pfarre Edlach in Niederösterreich. "Ich finde es bedenklich, wenn der Hase immer mehr zum Osterweihnachtsmann wird", erklärt der Priester. Demnach habe er beobachtet, wie der Osterhase in manchen Kindergärten als unsichtbarer, geheimnisvoller Gabenbringer dargestellt werde. "Da geht ja jeder Sinn verloren. Etwa wenn die Tante erzählt: Der Osterhase war gerade da, ich habe noch seine Ohren gesehen", fügt Hausner hinzu. Geht es nach ihm, so sei es zielführender, den Kindern den Osterhasen als Vertreter der "Lebensfreude" und des "jungen Lebens im Frühling" vorzustellen.

Dass diese Osterfreude bei Kindern leichter zu wecken ist als bei Erwachsenen, weiß der Geistliche aus eigener Erfahrung. "Während der Messfeier gibt es nach wie vor viele versteinerte Gesichter unter den Zuhörern", erzählt er. "Dabei ist doch Ostern ein Fest der Freude." Auf den Brauch des "Osterlachens", wonach die Priester während der Predigt am Ostersonntag die Gläubigen zum Lachen brachten, angesprochen, sagt Hausner: "Ich versuche schon, die Leute hie und da zum Schmunzeln zu bringen, aber leicht ist es nicht."

Schauen auf den Heiland

"Das Osterlachen ist bei uns nicht mehr ganz der Brauch", bestätigt auch Hans-Peter Schiestl, Pfarrer der Gemeinde Weerberg im oberen Tiroler Inntal. Er kenne wenige Kollegen, die in der Kirche einen Witz erzählen, "da eher noch am Faschingssonntag".

Dafür werde in Tirol im Gegensatz zum Osten noch der Brauch des "Ostergrabschauens" gepflegt. Laut Schiestl handelt es sich dabei um eine Nachbildung des Grabes Christi - samt einer kleinen Statue des schlafenden Heilands. Ähnlich einer Weihnachtskrippe. Wie in anderen Teilen Österreichs sei im Übrigen auch in Tirol die Tradition des Osterfeuers verbreitet. Den niederösterreichischen Brauch, zur Osternacht drei Kreuze aufzustellen und diese in der Nacht während der Lichterprozession in Brand zu setzen, kennt der 32-Jährige nicht. "Bei uns ist das nicht so leicht", sagt er. "Seit kurzem brauchen wir für jedes Feuer eine eigene Genehmigung."