Der heilige Paulus hat aus dem Symbol der Niederlage ein Zeichen des Sieges gemacht. Foto: apa/Pfarrhofer
Der heilige Paulus hat aus dem Symbol der Niederlage ein Zeichen des Sieges gemacht. Foto: apa/Pfarrhofer

Wien. Viele Menschen tragen es aus Überzeugung, die meisten als Schmuck. Aber nicht nur als Kettchen um den Hals ist das Kreuz, das gemeinhin als das Symbol für die Christenheit gilt, in der Öffentlichkeit präsent. Seit Jahrhunderten ziert es die Kirchturmspitzen im Land und seit 1933 auch die Wände der meisten österreichischen Klassenzimmer.

Liturgisch von der katholischen Kirche in den Mittelpunkt gerückt wird das Symbol am Karfreitag - jenem Tag, an dem Jesus Christus nach traditioneller Überlieferung in Jerusalem wegen Aufruhrs und Gotteslästerung angeklagt und gekreuzigt wurde. Allerdings ist den meisten Menschen dieses von der Kirche als Fast- und Abstinenztag gefeierte Ereignis heute kein Begriff mehr. So besitzt das Osterfest, wie eine aktuelle Studie ergeben hat, nur noch für jeden vierten Österreicher - und hier vor allem bei der Generation 60 plus - eine religiöse Bedeutung. Von den 16- bis 29-Jährigen hingegen wird das Fest der Auferstehung Christi vielmehr als traditionelles Familienfest wahrgenommen. Um den religiösen Gehalt des Karfreitags oder auch der Osternacht wissen nur wenige Jugendliche. Demnach gaben drei Prozent der Befragten tatsächlich an, Jesus habe an diesen Tagen geheiratet.

Dabei war das, was sich in der Karwoche vor rund 2000 Jahren in Jerusalem zutrug, zunächst gar nicht erfreulich. Das belegt nicht zuletzt der Name: So wird die Bezeichnung für den Todestag Jesu, Karfreitag, vom althochdeutschen "kara" abgeleitet und häufig mit "Trauer" oder "Klage" übersetzt.

Römer blieben verschont

Beklagt wird dabei in erster Linie der Kreuzestod Christi. An sich eine spannende Geschichte, die den Stoff für ein antikes Drama bilden könnte. Verrat und Intrigen inklusive. Realistisch, wenn auch sehr blutig in Szene gesetzt wurde die "Passion" zuletzt von Hollywood-Regisseur Mel Gibson. Dem Zuseher blieben die grausamen Geißelungs- und Kreuzigungsszenen in bester Erinnerung, was mitunter auch heftig kritisiert wurde.

Zum Tode verurteilte Menschen an ein Kreuz zu nageln und dort leiden und sterben zu lassen, war zu dieser Zeit eine weit verbreitete Hinrichtungsart. Erstmals angewandt wurde die Kreuzigung - oder besser "Pfählung" - von Delinquenten bereits mehrere Jahrhunderte früher. Davon berichtet schon das Alte Testament: Die Gibeoniter "pfählten diese (die Verurteilten, Anm.) auf dem Berg vor dem Herrn." Und im Buch Deuteronomium heißt es: "Ein Gehängter ist von Gott verflucht."