Gefastet wird zumeist mitten im Grünen, um in Einklang mit der Natur und sich selbst zu kommen. Foto: Klösterreich
Gefastet wird zumeist mitten im Grünen, um in Einklang mit der Natur und sich selbst zu kommen. Foto: Klösterreich

Wien. "Die Anfragen nach Fastenwochen steigen rapide an, und die Zugriffe auf unsere Internetseiten zum Thema Fasten werden stetig mehr", sagt Eveline Gruber von der Plattform "Klösterreich", der 21 Klöster, Orden und Stifte angehören. Der Höhepunkt werde zwar noch immer in der Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern erreicht - das liege jedoch in der Tradition begründet. Die Nachfrage erstrecke sich über das ganze Jahr: Denn die Beweggründe, warum Menschen freiwillig aufs Essen verzichten, seien immer seltener religiöser Natur.

"Sogar der Wunsch, überschüssige Kilo zu verlieren, wird nur von rund einem Drittel der Teilnehmer geäußert", berichtet Elisabeth Rabeder, die in Bad Mühllacken in Oberösterreich Fastenkurse in einem der drei Kneipp-Kurhäuser der Marienschwestern von Karmel leitet. Vielmehr gehe der Trend hin zum spirituellen Fasten, das eine ganzheitliche Reinigung von Körper und Seele impliziere. Im Vorjahr fanden hier rund 45 Fastenkurse statt - 2002 waren es drei.

Diesen Richtungswandel sieht Rabeder in der steigenden Überforderung in Beruf und Privatleben begründet. Vor allem Frauen seien häufig einer daraus resultierenden Doppelbelastung ausgesetzt: Zwei Drittel der Fastenwochen-Teilnehmer sind weiblich. Der Männer-Anteil nehme allerdings kontinuierlich zu.

Energie wird frei

Die einwöchigen Kurse im Fastenzentrum Kloster Pernegg in Niederösterreich haben ebenfalls das Ziel, "die Sehnsucht der Menschen, einfach nur sein zu dürfen und sich zu spüren, zu erfüllen", so Geschäftsführer Klaus Rebernig.

Wird doch durch das Fasten - in Pernegg etwa nehmen die Teilnehmer nur flüssige Nahrung zu sich - ein Überschuss von rund 15 Prozent Energie frei. "Das ist jene Energie, die normalerweise für die Verdauung verbraucht wird", sagt Rebernig. Diese zusätzliche Kraft könne zur Selbstfindung genutzt werden. "Nach der Fastenwoche fühlt man sich erholt und hat keinen Hunger mehr."

Das Fastenzentrum ist 2004 gegründet worden und zählte damals 300 Besucher im Jahr. Heute sind es mehr als tausend. An den spirituellen Fastenkursen in Österreichs Klöstern können auch all jene teilnehmen, die aus der katholischen Kirche ausgetreten sind oder einer anderen Religion angehören.

"Spirituelle und religiöse Fastenkurse sind daher klar getrennt", betont Rabeder. Letztere seien von Bibelgesprächen und Gebeten begleitet. Die Impulse seien religiöser Natur. "Das spirituelle Fasten bietet mehr Weite, weil hier alles Raum hat. Nicht das religiöse Thema, sondern das, was das tägliche Leben ausmacht, steht im Mittelpunkt."

So offensichtlich der Unterschied zwischen spirituellen und religiösen Fastenkursen scheint, so sehr vereint sie der Wunsch nach Läuterung. "Man verzichtet auf etwas, um etwas Größeres dafür zu bekommen", spannt der Wiener Theologe und Psychotherapeut Harald Erik Tichy den Bogen. Wobei mit "Größerem" in beiden Fällen die Schärfung der Sinne durch die Körperreinigung gemeint sei.

5000 "fasten" beim Auto

Auf etwas "Großes" verzichten und gleichzeitig zur Reinigung der Luft beitragen werden auch heuer wieder jene 5000 Österreicher, die sich ab Aschermittwoch an der Aktion "Autofasten" der Erzdiözese Wien beteiligen. Die Initiative will Lenker dazu anleiten, vor allem bei kurzen Distanzen auf das Auto zu verzichten und zu Fuß zu gehen. Sprecher Markus Gerhartinger resümiert: "Autofasten schützt die Umwelt - und ist ebenfalls gut für den Körper."